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Wie geht es euch im Beruf und privat unter extrovertierten Kollegen/Bekannten?

Liebe Leute, mich würde Mal interessieren, wie es euch so im Beruf und Privatleben im Umgang mit extrovertierten Menschen ergeht.

Ich arbeite in einem Labor, und mache die Arbeit wirklich gerne. Meine Introversion macht mir aber leider auch Probleme und das ist auf Dauer sehr energieraubend.

Wir sind 8 Leute im Büro/Labor und es geht meistens ziemlich laut zu bei uns. Der Radio läuft, es wird gelacht, gescherzt, herumgealbert, telefoniert, es werden Handyvideos abgespielt usw. Ich muss mich da immer ausklinken, da ich mich sonst nicht auf meine Arbeit konzentrieren kann.
In der Pause bin ich aber durchaus für Spaß zu haben und lache gerne, unterhalte mich auch gerne mit anderen, aber irgendwie funktioniert das nicht so gut.

Ich muss den anderen dauernd nachlaufen, wenn es um irgendwelche wichtigen Infos geht. Ich erfahre immer alles als letzte, und selbst das oft nur zufällig durch andere Kollegen. Wenn zum Beispiel jemand Geburtstag hat und alle anderen etwas zusammen kaufen, werde ich nie gefragt ob ich mitzahlen möchte. Wenn ich dann die anderen darum bitte, mir solche Sachen zu sagen heißt es immer „wir dachten du willst nicht mitmachen“, und werde beim nächsten Mal wieder nicht gefragt. Spreche ich an, dass mich das verletzt, meinen sie „wir dachten du möchtest lieber selbst was eigenes machen“. Selbst wenn ich ausdrücklich sage, dass ich bei sowas gerne mitmachen würde, wird es immer wieder „vergessen“.

Gestern wollte ich einen Kollegen etwas fragen, er hat sich gerade über private Dinge mit einem anderen Kollegen unterhalten und ich wollte aus Höflichkeit nicht unterbrechen, stand aber direkt neben ihm, sodass er sieht, dass ich mit ihm reden möchte. Ich bin ganze 10 Minuten da gestanden, weil die einfach weiter und weiter geredet haben, als ob ich nicht da wäre. Obwohl ich zwischendurch 2x fragte, ob ich kurz stören darf, wurde ich einfach ignoriert. Sowas verletzt mich.

Bei Gruppenbesprechungen reden alle durcheinander, jeder wird lauter als der andere und wenn es dann darum geht, Ideen in den Raum zu werfen, bin ich immer diejenige, die als einzige keine Idee hat, weil mich die Lautstärke und die Tatsache, dass alle durcheinander reden so überfordern, dass ich keinen klaren Gedanken fassen kann.

Es heißt immer, ich soll mich doch ein bisschen mehr in die Gruppe integrieren, aber kaum versuche ich es, werde ich unterbrochen, niemand hört mir zu oder antwortet mir oder es wird sofort das Thema gewechselt.

Privat geht es mir übrigens auch sehr oft so (zB bei Familientreffen oder mit Freunden von meinem Freund, die alle sehr extrovertiert sind). Mich fragt jemand was, ich möchte antworten und irgendwer mit einer lauteren Stimme unterbricht mich einfach und dann dreht sich nur noch alles um die andere Person. Hat die andere Person fertig geredet, heißt es meistens „Entschuldigung, kannst du das bitte nochmal sagen?“… Dann starte ich einen neuen Versuch und werde wieder unterbrochen.

Warum fragt man jemanden was, wenn einen die Antwort offensichtlich eh nicht interessiert? Und warum ignoriert man Menschen, die offensichtlich was fragen möchten und wirft ihnen dann vor, sich nie zu integrieren?

Wenn ich das die Personen frage, meinen alle immer nur, es sei eh alles in Ordnung. Nein, ich mache nichts falsch, sie haben mich halt einfach nur überhört/vergessen/übersehen etc. Alles sei in bester Ordnung, ich soll mir keine Sorgen machen.
Wenn ich dann doch mal etwas lauter werde, weil ich schon zum dritten Mal versuche, auf eine Frage zu antworten und trotzdem wieder unterbrochen werde, schauen mich alle so an, als hätte ich gerade etwas total Furchtbares gemacht.

Privat komme ich gut damit klar, weil ich einfach gehe, wenn es mir zu blöd ist, da ich ohnehin die Zeit lieber in einem angenehmeren Umfeld verbringe. Gehe halt meinem Freund zuliebe öfter auf Partys mit und wenn es mir zu viel wird, bin ich halt weg. Im Beruf ist das Ganze leider etwas schwieriger.

Geht es euch auch so? Wie geht ihr damit um? Über etwas Austausch und Tipps zu diesem Thema würde ich mich sehr freuen.
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Kommentare

  • Hallo Fjara,

    im Grunde erwähnst du hier ähnliche Themen, wie sie bereits in diesem Thread angesprochen wurden:
    https://introvertiert.org/forum/discussion/4097/wie-ueberlebt-ihr-im-job#latest

    möglicherweise ist dort bereits eine erste Hilfestellung für dein Problem zu finden.
    Dennoch möchte ich dir hier in deinem Thread noch kurz antworten :)

    Ich kenne leider sehr gut, was du uns beschreibst.
    Glaube inzwischen aber nicht mehr, dass es ausschließlich ein Intro-Extro Konflikt ist, sondern eher ein Problem mangelnder und schlechter Kommunikation.

    Denn man kann sich auch in großen Gruppen mit verschiedensten Menschen vernünftig verständigen, indem man respektvoll miteinander umgeht. Die Gemeinschaft fragt und jeden aussprechen lässt.

    Dass die Lauten zu Wort kommen und die Stillen untergehen - so läuft es bei uns im Team oftmals ab.
    Auch das mit den Handyvideos kenne ich. Finde ich traurig, da mit der Smartphonenutzung die Kommunikation oftmals noch mehr leidet. Doch ab und an habe ich auch einfach mal mitgem/lacht, wenn wieder jemand ein lustiges Video im Pausenraum gezeigt hat. Auch gemeinsames Blödsinn machen kann den Zusammenhalt stärken.

    Traurig finde ich ebenso wie du, wenn man merkt, nicht wirklich integriert zu werden. Man möchte schließlich die Wahl haben, ob man an etwas teilnimmt, oder nicht.

    Da könntest du vielleicht noch einmal deutlich darum bitten, gefragt zu werden.

    Und dann vielleicht das ein oder andere Mal über deinen Schatten springen.
    Denn auch das kenne ich aus eigener Erfahrung: wenn man schon ein paar Mal nachgefragt hat und jedes Mal ein Nein/Ablehnung kommt, fällt es immer schwerer, noch zu fragen.

    Im beruflichen Kontext sollte es jedoch selbstverständlich sein, alle Beteiligten gleich zu behandeln.


  • Lieben Dank für deine Antwort, da hab ich mich schon etwas durchgelesen =)

    Über den Schatten zu springen versuche ich wirklich oft, führt aber leider nie zu etwas. Fühle mich manchmal als ob ich überhaupt nicht hier reinpassen würde. Alleine schon die Interessen und der Humor sind komplett unterschiedlich.

    Versuche ich, ein Thema zu eröffnen, wird das ziemlich schnell wieder im Keim erstickt. Ich versuche öfter mich im Smalltalk zu üben und hätte gestern Mal in die Runde gefragt, ob die anderen denn auch im August im Betriebsurlaub verreisen. Schulterzucken und ein knappes „nein“ von einem der Kollegen war alles was dazu kam. Dann wurde munter weiter darüber diskutiert, welchen Film man sich als nächstes ansieht. Egal was ich mache, ich habe das Gefühl, dass niemand in der Arbeit wirkliches Interesse daran hat, sich mit mir zu unterhalten.

    Das komplette Gegenteil ist es, wenn ich etwas mit meinen Freunden mache. Da gibt es stundenlange Konversationen, die nie langweilig werden und wo jeder zuhört und den anderen ausreden lässt. Ich überlege oft, ob es etwas gibt, das ICH tun kann, damit ich mich in der Arbeit etwas wohler fühle und mich nicht so ausgegrenzt fühle.

  • So wie enjoythesilence erlebe ich es auch, ich erlebe diese Art von nicht-erwachsener Kommunikation nicht unbedingt als ein Thema zwischen Extros und Intros.
    Auch habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass selbst hochsensible Menschen manchmal ebenso nicht über die nötige Gabe verfügen, Ihr DU zu sehen, im Sinne von: Ich sehe Dich, ich höre Dich, ich nehme Dich wahr. Ich erwähne dies, weil ich früher immer dachte, dass alle hochsensiblen Menschen eint, ihr DU respektvoll zu behandeln. Leider nein, nicht immer der Fall: Es gibt auch solche, die so mit sich beschäftigt sind, dass sie andere nicht ernsthaft wahrnehmen.

    Gibt es in Deinem beruflichen Umfeld die Möglichkeit, dass Du Dich anlässlich einer gemeinsamen Teamsitzung dazu äußerst, was Dir am Herzen liegt? Hätte den Vorteil, dass es dann einmal alle gehört haben und es auch keine Ausreden mehr geben kann.
  • @seelenbilder
    „ dass alle hochsensiblen Menschen eint, ihr DU respektvoll zu behandeln. Leider nein, nicht immer der Fall: Es gibt auch solche, die so mit sich beschäftigt sind, dass sie andere nicht ernsthaft wahrnehmen.“

    Das kann ich tatsächlich bestätigen. Erst gestern ist mir das im privaten Kontext wieder passiert.
    Ich lerne aber auch, es ist eine Frage, wie ich es bewerte, wenn man mir nicht richtig zuhört und Gespräche an der Oberfläche bleiben. In dem speziellen Fall besteht aber trotz allem eine gewisse Verbundenheit und ich kann nachvollziehen, wenn jemand im Stress ist und deswegen nicht voll und ganz im Gespräch. Und es kommt drauf an, ob es sich um eine Bekanntschaft handelt, mit der ich einen trinken gehe oder um meinen Partner.
    Und im beruflichen Umfeld ist es nochmal anders. Zwar verbringt man teilweise mit den Arbeitskollegen mehr Zeit als wie mit der eigenen Familie und von daher hilft es natürlich, sich gut zu verstehen, ich finde jedoch nicht, dass gutes Verstehen Voraussetzung sein muß für gute Arbeit und ich auch mit Arbeitskollegen keine Interessen teilen muß. Kann vielleicht helfen, aber man sollte im beruflichen Umfeld mehr danach schauen, dass Aufträge reibungslos erledigt werden können.

    Doch ja, es passiert natürlich auch auf der Arbeit, dass man sich mit manchen Menschen besser versteht, als mit anderen. Vielleicht ist das ein Zeichen.
    Doch ich glaube langsam, der Tag wird so gut, so wie ich ihm Chancen einräume, gut zu werden :)
  • Liebe @enjoythesilence,
    in meinen erwähnten Beobachtungen spielen definitiv keine punktuellen Ereignisse eine Rolle, sondern wie sich Menschen über einen langen Zeitraum verhalten:
    Ich hatte zum Beispiel einmal eine Kollegin, die sich rasch als "hochsensibel" beschrieben hat. Hätte es auch gar nicht bedurft, ich habe das sehr schnell beobachten können. Was ich damals noch nicht wusste: Hochsensibilität hat nicht unbedingt damit zu tun, dass man auch andere feinfühlig behandelt. Für sich selbst hat sie darauf allerdings bestanden, während sie bei anderen wenig Feingefühl an den Tag gelegt hat. Auch mit Ehrlichkeit war sie nicht großartig versehen. Das alles hat sich auch am Arbeitsplatz sehr negativ ausgewirkt.
    Ich erlebe dieses Phänomen aber auch an anderen Schauplätzen, nämlich ebenso im Privatleben.

    Für ein gedeihliches Miteinander am Arbeitsplatz halte ich ein wechselseitiges Verstehenwollen für eine gewisse Voraussetzung - es beeinflusst ja auch die Art und Weise einer Kommunikation. Ein freundschaftliches Miteinander, das sich im Privatleben fortsetzt, ist für mich allerdings auch überhaupt keine Voraussetzung, aber jedenfalls wechselseitiger Respekt.
  • @seelenbilder danke für deine Antwort.
    Ich persönlich mache solche Erfahrungen eigentlich immer mit Menschen, die von Natur aus eher laut sind, gerne reden, gerne im Mittelpunkt stehen. Mit ruhigen Menschen und mit den hochsensiblen und auch Autisten die ich kenne komme ich sehr gut klar – da funktioniert die Kommunikation eigentlich sehr gut.
    Zumindest sagen die mir klar und deutlich wenn sie gerade keinen Kopf für ein Gespräch haben und das finde ich gut, denn damit kann ich was anfangen. Was mich immer so verwirrt ist der Wunsch von den gesprächigen Kollegen, dass ich mit ihnen lustig sein soll, dann aber irgendwie total untergehe weil eh niemand zuhört.
    Zu deiner Frage – ja wir haben Teamsitzungen und ja ich habe mich bereits vor allen darüber geäußert. Einige entschuldigten sich und sagten mir, dass ihnen das Leid tut wenn ich das Gefühl habe, nicht gehört zu werden. Ich soll halt einfach lauter sein. Aber es ist schwierig wenn sowieso schon alle durcheinander quatschen und man eh zu keinem Wort kommt. Ich will ja nicht schreien.
    Und obwohl sie mich laut ihrer eigenen Aussagen alle verstehen und alle möchten dass wir ein Team sind, ist es trotzdem immer das gleiche.
    Also ich muss ja nicht best friends mit ihnen werden, aber mir wäre es wichtig, wenn ich zumindest was berufliche Dinge angeht integriert werde. Habe ihnen mehrmals schon gesagt dass das für mich nicht toll ist, dass ich immer als letzte und oft nur durch Zufall an wichtige Infos komme. Zum Beispiel wurde bei einer Anlage etwas umgestellt als ich frei hatte. Niemand hat mir was gesagt, ich komme zurück, will darauf arbeiten und nix funktioniert. Erst auf Nachfrage wurde ich informiert. Mein Vorschlag, einfach an ALLE eine E-Mail zu schreiben bei solchen Sachen, damit niemand vergessen wird, wird auch nicht beherzigt.
  • @Fjara
    "Zum Beispiel wurde bei einer Anlage etwas umgestellt als ich frei hatte. Niemand hat mir was gesagt, ich komme zurück, will darauf arbeiten und nix funktioniert. Erst auf Nachfrage wurde ich informiert. Mein Vorschlag, einfach an ALLE eine E-Mail zu schreiben bei solchen Sachen, damit niemand vergessen wird, wird auch nicht beherzigt."

    Dieses Phänomen, dass ich als letzte über Neuerungen informiert werde, kenne ich leider auch und der Vorschlag, die Kommunikation über so wichtige Punkte, die ALLE angehen per e-mail zu organisieren, könnte von mir sein.

    Daher mache ich leider auch die Erfahrung, dass dies so gut wie nicht umgesetzt wird.

    Kommuniziere du daher wichtige Inhalte für alle per mail.
    Und in den Besprechungen: versuche einmal, dich per Handzeichen bemerkbar zu machen. So wird Redezeit in größeren Versammlungen geregelt und da funktioniert zuhören und ausreden lassen mit dieser Methode relativ gut.
    Gehe du einfach mit gutem Beispiel voran.

    Auch ich habe es mit Handzeichen in unserer Besprechung angefangen. Zunächst waren die Umsitzenden irritiert, jedoch erreichte ich mein Ziel: beachtet und anschließend aufgerufen zu werden.

    Was den Spaß und die Gespräche unter Kollegen betrifft: da geht es manchmal etwas ruppiger zu. Der direkte Weg der Beteiligung wäre: einfach mal mitlachen. Auch, wenn es vielleicht nicht die eigene Art Humor trifft. Aber das Mitlachen kann eine Art von Verbundenheit erzeugen. Die Kollegen sind ja keine Feinde :)

    Im Gegenteil: man tut glaube gut daran, wenn man einigermaßen mit ihnen klar kommt - verbringt man doch mehr Zeit mit ihnen, als mit der eigene Familie.
  • danke für deine Ratschläge - ich werde das auf jeden Fall versuchen :-)
    Und ja du hast Recht, ich verbringe ja doch an einem durchschnittlichen Arbeitstag 9 Stunden mit den Kollegen und nur 2 mit dem Partner, deshalb ist es mir auch wichtig, dass man sich wohlfühlt unter den Kollegen.
  • @Fjara,
    ohja, ich kann Dich sehr gut verstehen, vor allem in Hinblick auf das aktuelle Beispiel, Umstellung bei einer Anlage.
    Mir war und ist es immer wichtig, einen Informationsfluss aufrechtzuerhalten.
    Damit habe ich einige sicherlich genervt, weil ich mit Infos auch tlw. hinterherlief.
    Wenn Infos nicht alle rechtzeitig erreichen, dann ist das nicht nur in Hinsicht auf Betriebliches von Nachteil, sondern auch für die Stimmung im Team.
    Wenn Teams so laufen, dass sich Leute gegenseitig niederschreien müssten, um sich Gehör zu verschaffen, dann muss ich leider rückmelden: Da läuft einiges schief ...
  • Ja das denke ich auch. Die Kollegen geben mir dabei auch immer vollkommen Recht und entschuldigen sich dafür, aber besser wird das Ganze auch nicht. Ich habe das mit dem Handzeichen gestern gleich noch probiert so wie enjoythesilence vorgeschlagen hat. Das blieb so lange ungeachtet, dass ich dachte mir fällt gleich der Arm ab. Es hat zwar immer wieder Mal jemand hergesehen, aber trotzdem wurde geredet und geredet und geredet und ich kam ewig nicht zum Wort.

    Als ich dann zwischendurch Mal sagte dass ich auch gerne etwas sagen möchte, war plötzlich die Stimmung wie gekippt und alle sahen mich verwundert an. Als ob sie sich dachten "Was? DUU willst was sagen?".

    Habe das dann nochmal angesprochen wegen der Informationsweitergabe. Während ich noch beim ersten Satz war, läutete von einem Kollegen das Telefon und dann hat wieder jeder durcheinander geredet. Bevor ich dazu kam, dass ich die Informationsweitergabe per Mail nochmal anspreche, waren dann alle wieder bei einem komplett anderen Thema, also das ganze nochmal.
    Als ich dann endlich meinen Satz fertig sprechen konnte, hieß es "achso, ich dachte das wäre schon alles vor dem Telefonat durch gewesen, jetzt gehts wieder nur um das".

    Danach hieß es "wir werden uns bemühen, das zu machen". Heute in der Früh komme ich an, fragt mich ein Kollege warum ich gestern nicht an der online Besprechung über Teams teilgenommen habe. Welche Besprechung? Es kam dann auf, dass jeder außer mir und unserem Lehrling im Mail-Verteiler war. Auf Nachfrage: "Sorry, das haben wir dann wohl vergessen".

    Das ist sowas von mühsam. Und dann wundern sich die Leute immer, warum man so still ist.



  • Unglaubliche Zustände, @Fjara, das tut mir total leid!!!
    Ich habe das Gefühl, in diesem Unternehmen gibt es keine Strukturen im Umgang miteinander und viele Probleme -
    und der Fisch fängt doch bekanntlich am Kopf zu stinken an. Was gibt's da bloß für Chefitäten? Vielleicht haben sie wenig Ahnung, wie man ein Betriebsklima für alle besser gestalten kann?

    Wenn mir jemand sagt, er werde sich bemühen, bin ich hochskeptisch! Das ist kein erreichbares Ziel, sondern eine hohle Ankündigung!
    Hast Du schon mal über einen Arbeitsplatzwechsel nachgedacht?
  • Das tut mir so leid für dich @Fjara

    Ich freue mich aber, dass du das mit dem Handzeichen direkt umgesetzt hast und bin versucht zu sagen: gib nicht auf, es immer wieder zu probieren.

    Bei mir hat es nun drei Jahre gedauert, bis es endlich *klick* machte und besser wurde in einem neuen Team.

    Doch manchmal darf man natürlich auch konsequent sein und erkennen, wenn etwas keinen Sinn hat.

    Was ich ganz schlimm finde, ist diese schlechte Gewohnheit mit den klingelnden Telefonen. Das haben wir hier auch. Selbst von der Leitung. Bei mir kommt das so an, wie wenn sich die Betreffenden dadurch wichtiger machen möchten, als sie eigentlich sind. Ende vom Lied ist so gut wie immer eine Unterbrechung des Redeflusses.

    Schlimmstenfalls hab ich auch schon in einem dienstlichen Gespräch gesagt bekommen, da müßte man schnell rangehen, ein wichtiger Anruf - der sich dann als privat herausstellte. Da fällt mir dann manchmal nichts mehr ein.

    Vielleicht darf man unterscheiden, ob man den Kollegen nichts zu sagen hat, weil die Interessen auseinandergehen oder einem nicht zugehört wird, wenn man vom Wochenende erzählen möchte (in den Fällen weiß ich inzwischen, wem ich was sagen kann und wem gegenüber ich besser schweige. Ich muß auch nicht überall mitmischen).

    Anders, wenn dienstliche Belange boykottiert werden.
    Wie in dem Beispiel mit der online Besprechung. So etwas darf nicht passieren.

    Ihr habt nicht zufällig einen Betriebsrat, an den du dich unterstützend wenden könntest?
  • Also ein Arbeitsplatzwechsel ist für mich derzeit nichts das ich machen möchte. Ich war davor in so vielen anderen Betrieben wo das alles viel schlimmer war und grundsätzlich hab ich es hier nicht schlecht. Ich verdiene sehr gut und ich mache die Tätigkeiten im Labor wirklich sehr gerne. Also ich kann sagen es passt wirklich alles, bis auf die Kommunikation.
    Der Chef ist gerade auf Auszeit (Sabbatical) und weiß, dass diese Abteilung ein Chaoshaufen ist, lobt mich immer sehr dafür, dass ich so bemüht bin, dass alles funktioniert und kann sich selbst auch nicht durchsetzen. Ich gehe trotzdem gern zur Arbeit. Es ist halt nur nervig, wenn man den anderen immer nachlaufen muss.
    Wahrscheinlich hilft da nur hartnäckig bleiben und es nicht persönlich nehmen, denn es wird ja bei uns niemand gemobbt oder so, sondern die Kollegen sind eh alle recht nett. Nur halt sehr anstrengend :D
    Das mit den klingelnden Telefonen ist für mich auch sehr nervig. Also bei uns hat jeder ein Firmenhandy und ich werde so oft wegen total unwichtigen Dingen angerufen, wo ich jedes Mal von der Arbeit und meinem damit verbundenem Denkfluss herausgerissen werde und dann wieder eine Weile brauche, bis ich wieder bei der Sache bin. Einige nehmen inzwischen darauf Rücksicht und schreiben Mails und rufen nur noch bei wirklich sehr dringenden Sachen an, anderen kann man es 100x sagen und es nützt nichts.
    Aber ich denke, solche Leute wird es fast überall geben. Und ich kann die anderen Leute nicht ändern, sondern nur wie ich damit umgehe.
    Einen Betriebsrat haben wir, es gibt auch verpflichtende Workshops zur richtigen Kommunikation, Feedbacktrainings, Seminare zu Vorgesetztenverhalten usw. Also es wird sich seitens der Firma und den Führungskräften eigentlich eh sehr darum bemüht, dass das alles passt. Und untereinander scheinen die Kollegen auch total damit zufrieden zu sein, wie es läuft. Nur ich fühle mich irgendwie immer ein bisschen so wie der Alien, der sich erstmal integrieren muss und dabei nicht ganz so gut zurechtkommt. Vielleicht reagiere ich auch einfach viel zu sensibel auf das alles.
  • Danke für Deine weiteren Ausführungen, @Fjara.
    Ich möchte rückmelden, Deine Schilderungen klangen für mich durchgängig so irritiert (zurecht aufgrund des geschilderten Verhaltens Deiner KollegInnen), dass ich hinterfragen wollte, ob Du mal an einen Wechsel gedacht hast.

    An anderer Stelle habe ich einen Buchtipp für Dich hinterlassen, weil ich merke, wie sehr kindliche Prägungen auch unser Verhalten im Berufsleben beeinflussen. Mir geht beim Lesen gerade sehr viel Licht auf! Vielleicht ist es ja auch was für Dich ...

    Liebe Grüße!
  • edited Juli 2022
    @Fjara Ich denke es hilft aufzuhören zu denken dass Menschen rationale Wesen sind. Da schließt man vielleicht von sich auf andere auch, aber meist hat es nur mit dem emotionalen und mit dem Energielevel zu tun. Wenn 4 Leute sprechen zB. in der Arbeit und ich brauche etwas schneide ich einfach bestimmend in das Gespräch, mit dem Gefühl der Wichtigkeit, und dann orientieren sie sich danach. Wie Affen die ein Geräusch hören und dann direkt instinktiv handeln. Mehr ist es auch nicht; Rücksicht nehmen ist die oberste Hierarchie, alles dazwischen ist gedrängt und impulsiv-gespannt, mehr reaktiv, definitiv irrational.

    Der Ratio versucht dann nur das irrationale zu Begründen, um es vor sich und der Gruppe zu rechtfertigen, was aber Dummheit ist und selbst nur sozial-hierarchischer Instinkt, wofür der Intellekt eigentlich die Schlampe ist. Sie denken - was so viel heißt sie denken rückwirkend, vorsätzlich aber empfinden sie, und das unreflektiert, irrational, und das was sie empfinden wird dann rationalisiert, das vielleicht auch gar nicht bewusst.

    "Die Menschen wissen zu ihren Lebzeiten weder wer sie sind noch warum und wie sie sind; man sollte aufhören, dem Wichtigkeit zuzumessen."

    Von Marcus Aurelius, von vor 2500 Jahren ^^

    Deshalb sind introvertierte auch einfach oft bessere Führer, weil sie beobachten, erkennen, und lenken können; sie befinden sich außerhalb der Blase - oder zumindest Grenzen sie nur an. Irgendwo ist man immer in der Blase, weil man selber sozial ist und dem "ausgesetzt". Aber die Introspektion hilft da schon sehr diese Dynamiken in sich selbst zu erkennen, und die Beobachtung, es in anderen zu erkennen, zu benennen, und damit zu ent-personalisieren, weil es überall und immer gleich vorkommt, die Menschen sind nur die Akteure. Man beschwert sich so lange, bis man begreift, das es nicht veränderbar ist: zumindest nicht im außen. Das was ich nicht verändern kann und mich nicht betrifft, lasse ich; das was mich betrifft und ich verändern muss, lenke ich durch Bestimmtheit. Die Leute wissen ja eh nicht, warum sie vorher keinerlei Notiz genommen haben, und im nächsten Moment sich wie ein Masochist fügen und gehorchen. Sie sind nur Pole gelenkt von Kräften die sie weder benennen noch verstehen können. Bei dem Affentheater ist es okay ein Alien zu sein, man soll halt nicht meinen, der Affe soll aufhören Affe zu sein. Das wird ihn nur provozieren und er wird mit seinen Fikalien um sich schmeißen.
  • @domsi dass deren Verhalten langfristig nicht veränderbar ist, denke ich auch. Aber ich kann ändern wie ich damit umgehe. Wie sehr ich auf ihren Wunsch eingehe, mitzureden. Wie ich damit umgehe, wenn man wiedermal überhört/unterbrochen etc. wird.

    Ob es überhaupt noch Sinn macht, sich jedes Mal die Mühe zu geben um seinen Standpunkt zu erklären, wenn dieser dann ja doch irgendwie wieder vergessen wird. Ob man sich einfach damit abfinden soll, dass viele Menschen einfach unfähig sind, anderen zuzuhören und sie ausreden zu lassen oder sie immer wieder darauf hinweisen soll, dass das was sie da tun unhöflich ist.

    Ich schwanke da sehr zwischen "soll mir egal sein und lasse ich abprallen" und dem Bedürfnis, Anderen zu sagen, dass der Umgang nicht in Ordnung ist.
  • Hallo Fjara, ich befinde mich auch mal wieder in der Phase, diese Unfähigkeit, auf andere einzugehen, abprallen zu lassen. Aber es funktioniert einfach nicht. Weil ja doch eine gewisse Verletztheit mit einhergeht.

    Und ich merke auch immer wieder, dass ich ganz anders bin. Gerade solche Dinge, wie Du sie beschreibst, dass Du bereits mehrfach um Integration gebeten hast und trotzdem kaum eine Änderung eintritt, sowas gibt es bei mir (als Person) nicht. Ich könnte sowas gar nicht. Sowas tut mir in der Seele weh.

    Auch hier bei mir auf Arbeit ist es üblich, dass Informationen nicht weitergegeben werden. Aber in anderem Stil. Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten und für das Dienstgeschäft wichtig sind. Das wird dann unter dem Deckmantel des Vergessens wegen Überlastung gesteckt. Für mich zeugt das nur von Unfähigkeit der Vorgesetzten. Mittlerweile habe ich auch resigniert.

    Ausgrenzen von anderen Mitarbeitern gibt es hier auch. Finde ich ganz schlimm und kann es kaum ertragen. Andere finden sowas gut, ich selber habe soviel Hässlichkeit gar nicht in mir, dass ich das gut finden könnte.

  • Hallo Nethi,
    ja das hängt auch oft viel von der Tagesverfassung ab. Manchmal denke ich mir "ach habt mich doch gern" und es ist mir egal. Manchmal denke ich mir dann wieder "warum muss ich euch alles 5x sagen bis mir endlich Mal jemand zuhört?"..

    Das mit der gewünschten Integration wird auch dauernd falsch aufgefasst von den Kollegen obwohl ich mich schon so oft erklärt hab. Mir geht es ja wie gesagt dabei hauptsächlich eben um dienstliche Angelegenheiten. Werde zwar oft gefragt ob ich nach der Arbeit oder am Wochenende was mit ihnen unternehmen will, wo ich aber so gut wie nie zusage (je nachdem was es genau ist). Das wissen die, dass ich in meiner Freizeit lieber andere Dinge mache. Da würden sie mich also integrieren, aber wenn ich darum bitte, mich zu informieren, wenn eine Teambesprechung stattfindet, wird vergessen.

    Also ich will jetzt nicht sagen, dass ich bewusst ausgegrenzt werde - aber sehr viele Menschen verwechseln auch Introversion mit Schüchternheit oder Arroganz. Kaum sitzt man wo alleine und hat endlich Ruhe, glauben andere, dass man sich gerade ganz furchtbar schrecklich fühlen muss, weil man alleine ist. Und da man ja immer die Ruhige ist, ist man sicher nur zu schüchtern um sich zu anderen zu setzen und mit ihnen zu reden. Diese Art von alleine sein genieße ich ja. Aber die Art von "jeder weiß was auf Arbeit los ist, nur ich nicht", da fühlt man sich dann schon ausgegrenzt, aber nicht absichtlich, sondern ich glaube die vergessen wirklich einfach auf mich, weil ich eben nicht den ganzen Tag dahinplappere.

    Bzw. glaubten anfangs als ich hier arbeitete auch einige Menschen ich sei arrogant und möchte nichts mit ihnen zu tun haben, weil ich eben lieber alleine esse als in Gesellschaft von 20 anderen Leuten die ich nichtmal richtig kenne.
    Da tut man ihnen plötzlich Leid wenn man alleine sitzt, wo es nicht sein müsste. Aber bei den wirklich wichtigen Dingen ist es egal^^


  • Hallo Fjara,
    es könnte doch auch sein, dass sich bei Euch keiner zuständig fühlt, Dir was mitzuteilen. Bei uns ist das so, wenn keiner bestimmte Dinge explizit in die Hand nimmt, denkt jeder, der andere wird es schon mitteilen. Viele Menschen sind da eher gedankenlos unterwegs. Und so verlaufen viele Informationen ins Nirwana.

    In der letzten Zeit habe ich mich häufig darüber aufgeregt, aber es macht doch gar keinen Sinn. Warum soll ich mich immer ärgern, den anderen ist es doch auch egal.

    Mit Ausgrenzung meinte ich nicht Deinen Fall speziell, sondern wollte Dir sagen, dass es bei uns echt gezielte Ausgrenzung gibt. So a la: Den laden wir aber nicht zum Frühstück ein, der braucht aber nicht zu kommen. Und mit sowas habe ich echt ein Problem.

    Ja, das mit dem Ruhigsein und das Hineininterpretieren von Arroganz kenne ich zur Genüge. Oh man, wer mich näher kennt, weiß, dass ich nicht arrogant bin.

    Ich kann mir aber gut vorstellen, dass die Leute sich abgelehnt fühlen, wenn man mit ihnen nicht die Mittagspause verbringt, sondern alleine für sich ist. Und der Mensch ist nunmal ein Hordentier, da kommt Alleinsesein nicht vor. Ich bin mal längere Zeit in der Mittagspause alleine spazieren gewesen. Da meinte jemand, ich müsste ja ziemlich einsam sein. Ich empfinde das gar nicht als Einsamkeit, bei mir ist das Alleinsein ein großes Bedürfnis.

    Naja, die rotten sich eben alle zusammen, um Ihr Redebedürfnis zu stillen, welches bei mir zwar auch vorhanden ist, aber eben nicht immerzu.

    Aber hier gab es einen guten Tipp. Sich hin und wieder mal dazu gesellen, mal mitlachen, ich glaub, dann ist die Welt für die anderen wieder in Ordnung. Wenn man sich gar nicht einbringt, ist man ganz schnell Zielscheibe oder wird komplett vergessen
  • edited Juli 2022
    @Fjara

    Also heute kann ich aus meiner Beobachtung berichten. Gestern hatte ich schon angst in die Arbeit zu gehen, es war mein Gefühl es wird ein böser Tag. Egal.

    Es sind insgesamt 4 schlimme oder dumme / unübliche Dinge bis Mittag passiert. Da dachte ich schon "OK dann war es wohl das; hat mich nicht erwischt".

    Jedenfalls hatten wir dann, nachdem ich es 5 mal gesagt habe, den Marmorboden im Eingang von einem Gebäude beschädigt, weil ich meinte, mit dem großen Lieferdings das fast eine Tonne wiegt können wir da nicht rein. Chef hat weiter gemacht

    Ich habe 3 mal gesagt das dies und jenes passiert, letztendlich haben wir sogar den Lift kaputt gemacht ^^

    Am Schluss meinte ich noch, mir kommen zwei Lösungen wie wir das erklären (es gab keine Kamera). Das habe ich zu meinem Chef gesagt. Zwei Minuten später sagt mein Chef dann "OK, ich habe eine Idee, wir erklären das so:" - und wiederholt dann meine Worte.

    Ganz am Schluss haben wir dann das gemacht, mit der Lieferung, was ich ganz am Anfang vorgeschlagen habe "was aber total dämlich ist". Das war dann die beste Idee, die kam wieder von meinem Chef.


    Er ist super lieb, ich hab ihn echt gern, wir verstehen uns gut - aber das ist einfach alles menschlich allzumenschlich. Ich denke, deine Punkte sind alle richtig; eigenen Umgang verändern, man kann nichts bei anderen verändern. Punkt. Nicht erklären, niemals. Keine Rechtfertigungen.

    Das ist für mich die beste Taktik^^
  • Guten Morgen Nethi,
    das mit dem nicht zuständig fühlen könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass das bei meinen Kollegen auch der Fall ist. Würde sehr gut zu meinem Eindruck passen – Chaoshaufen der zwar niemanden bewusst ausgrenzt, aber doch irgendwie unbewusst.
    Den Punkt der Ausgrenzung den du schilderst kenne ich leider von früheren Arbeitsstellen bzw. gibt es das bei uns auch – zwar nicht abteilungsintern untereinander aber so als ob gewisse Abteilungen und auch Menschen anderer Herkunft etc. gegeneinander konkurrieren müssten. Zum Beispiel arbeitet in einer anderen Abteilung ein Deutscher (wir sind in Österreich) und wenn irgendeine gemeinsame Aktivität geplant wird, hört man dann oft so Sachen wie „den Piefke brauchst aber nicht einladen, interessiert mich net, dass ich dann dauernd hochdeutsch reden muss wegen dem“. Mit sowas hab ich auch ein Problem.
    Leute, die nicht hier aufgewachsen sind, haben es glaube ich bei uns echt nicht einfach und das ist so zum fremdschämen.

    @domsi
    Das was du schilderst, kann ich sehr gut nachvollziehen, weil es mir oft schon ähnlich ging. Kollegen beraten, wie man diese oder jene Arbeit am besten lösen könnte. Ich mach mir auch meine Gedanken dazu und komme zu dem Entschluss, dass es so, wie die Kollegen meinen, nicht ganz so schlau wäre, weil sonst dies oder das nicht passt. Dann bringe ich meine gut durchdachte Idee ein, die zwar nicht als erste laut in den Raum geworfen wurde, dafür aber ordentlich abgewogen wurde, ob das wirklich am besten so ist. Trotzdem wird so getan wie die anderen sagen.
    Dann kommen sie irgendwann drauf, dass es vielleicht doch besser wäre, so wie ich sagte. Irgendjemand schlägt dann genau meine Idee vor und derjenige wird dann gefeiert, weil „seine“ Idee so super war und zum Erfolg führte.
    Bin nicht so der Typ Mensch, der dann vor allen darauf beharrt, dass es eigentlich meine Idee war, ich lass ihnen halt die Freude :-D
    Ich hatte gestern nach langem wieder Mal ein Gespräch mit einem sehr guten Freund, der auch in unserem Betrieb arbeitet - ebenfalls introvertiert, der aufgrund einer Operation monatelang im Homeoffice war und gestern zum ersten Mal nach langer Zeit wieder in der Firma war. Manchen Leuten ist das garnicht aufgefallen, dass er so lange nicht da war. Und er hat einen Satz zu mir gesagt, der eigentlich sehr gut auch zu meinem Dasein passt.
    „Meine Anwesenheit in einer Gruppe von Extrovertierten fühlt sich für mich an wie ein Film, in dem ich nur Statist bin.“
  • edited Juli 2022
    @Fjara Ich habe letztens aus Herr der Ringe mehr oder weniger die Metapher der riesen Adler begriffen, und warum sie nicht einfach auf ihnen hinfliegen und den Ring reinwerfen; im Buch und von dem "Macher / Schöpfer (von Mittelerde)" werden sie als:

    "Bringer of messages, not carrier of burdens" beschrieben. Das passt irgendwie auch auf meine Lebenserfahrungen. Und lerne gerade auch enorm das so weit absolut abzugrenzen.

    Dazu haben Adler bzw. stehen sie für Überblick; das finde ich schon sehr schön und passend insgesamt. Weitsicht passt natürlich auch, weil Perspektive von Oben und der Adlerblick.

    Statist finde ich allerdings gut, das kommt vor allem auch gut wenn man kein Teil des Melodramas ist, dann ist man wirklich statist ^^ Im Zen (buddhismus) beschreiben sie es ja auch, dass das Leben die Leinwand ist und man eigentlich als Beobachter Statist ist; ich denke, wenn man stark involviert ist, hat man einfach nicht die äußere Abgrenzung und damit nicht die Reflektion und damit gar nicht die Beobachtung auf sich und die Dinge, so wie wir sie vielleicht haben; deshalb macht es schon Sinn, dass die Dinge so vorkommen, und dass sie von den meisten, bzw. dass die meisten dann einfach als Schauspieler ihre Rolle spielen, ohne es zu merken, dass sie in einem Stück sind (das sie irgendwie selbst fabrizieren), und sie sind halt ständig in ihrem Auftritt.. was auch erklärt, warum es so wichtig scheint, immer im Vordergrund zu sein.. ^^ Und dann nehmen sie natürlich die Ideen auf, weil ja das Stück im Vordergrund steht, also sie selbst als nicht-Statisten.

    Demut ist natürlich die schönste Eigenschaft; sie ist natürlich und einfach. Und auch schwer sichtbar, für viele nicht nachvollziehbar, deshalb nicht aufdringlich oder "gefährlich", da gibt es wenig Reiberei. Langfristig fährt man damit am Besten, im außen wie im innen denke ich. Nicht mit Passivität zu verwechseln.

    Fände ich geil wenn sich nach jedem Treffen, jedem Arbeitstag oder sonstiges, alle dann einfach verbeugen, das würde dem Ganzen ein gutes Flair geben :D
  • @domsi
    Schönes Bild mit der Verbeugung zum Feierabend!
    Ich hab mich schon das ein oder andere Mal für die angenehme Zusammenarbeit den Tag über bei meinen Kollegen bedankt. Das könnte fast so gut sein wie eine Verbeugung, oder? :)
  • @domsi,
    definitiv habe ich mich schon des öfteren, ganz instinktiv und ohne nachzudenken, für besonderes kollegiale Momente mit einer Verbeugung bedankt.
    Es in einem dankbaren Bewusstsein öfter zu machen, würde sicherlich eine gute Schwingung für ein gegenseitig förderliches Kollegentum bekräftigen! Ein schönes Bild,
    ich unterschreibe auch Deine Worte zur Demut. Ich empfinde diese Haltung exakt wie Du. Danke, dass Du die Demut hier erwähnt hast!
  • @domsi danke für das nette Kopfkino, ich stelle mir gerade meine Kollegen vor, wie sie sich am Ende vom Tag alle verbeugen und ich daneben sitze und mir denke „was für ein verwirrender Auftritt, viel zu viel Dialog“ :D
    Das mit der Demut ist halt auch so eine Sache. Manchmal ärgert man sich schon darüber, was andere wie machen und denkt darüber nach, mal „auf den Tisch zu hauen“, weil es einfach nur noch anstrengend ist. Spiegelt man nämlich ihr Verhalten, ist es plötzlich komisch – machen sie es selbst, ist es ganz normal. Demut zeigt man dann halt, weil es -so wie du bereits sagtest – einfach ist und kaum Reiberei gibt und für mich manchmal der klügste Weg mit dem wenigsten Widerstand ist. Man nimmt die Dinge dann halt so hin wie sie sind, weil es nervenschonender ist, als dauernd um alles zu kämpfen. Kämpfen ist zwar auch eine wichtige Eigenschaft – mache ich allerdings nur, wenn es um Dinge geht, wo es sich lohnt bzw. Dinge, wo ich anders nicht damit leben könnte.
    Man nimmt dann oft das geringere Übel hin, weil man sich ja auch selbst einen Gefallen damit tut. Jeden Tag die lauten Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass sie zu laut sind, hat wenig Sinn. Selbst zu versuchen, die Lautstärke an sich abprallen zu lassen, ist wenigstens etwas, wo man damit arbeiten kann, weil man es und sich selbst und teilweise auch seine Gedanken dazu beeinflussen kann. Man möchte die Menschen so annehmen wie sie sind, weil man sie sowieso nicht gravierend ändern kann. Schade, dass nicht alle so denken und viele meinen, sie müssen introvertierte Menschen umpolen.
    Privat ist es oft so, dass ich eben unter Leuten, bei denen ich mich wohl fühle, auch ausgelassen und laut sein kann. Da muss halt die Chemie zwischen uns passen damit ich mich wohlfühle und selbst dann gibt es Grenzen und ich brauche danach wieder Mal meine Ruhephase weil mich soziale Interaktion einfach anstrengt obwohl ich sie mit den richtigen Menschen wirklich auch sehr genieße.
    Merken das bestimmte Leute, meinen sie dann sowas wie „ich hab ja gesehen, wie du am Samstag auf Veranstaltung XY laut und gesellig warst, sei doch bei uns auch Mal so!“ Hab dann darauf geantwortet „ich hab gestern gesehen, wie du alleine am Bahnhof auf den Zug gewartet hast, ganz leise. Sei doch bei mir auch Mal so!“. DANN ist man aber wieder der/die Seltsame. Wie kann man sowas nur verlangen? Unvorstellbar :D
  • „ich hab gestern gesehen, wie du alleine am Bahnhof auf den Zug gewartet hast, ganz leise. Sei doch bei mir auch Mal so!“

    HAHAHAHAHA so geil.
  • @ Fjara

    Das mit dem Bahnhof ist lustig :D wie wurde denn darauf reagiert? :D

    Mir kommt es auf Arbeit aber auch immer wie in einem Film vor. Und die Schauspieler sind perfekt in ihrer Rolle. Aber manchmal merkt man auch diese anstrengende Anpassung, weil man es ja eigentlich nicht so möchte. Manche extrovertierten drängen sich aber auch zu sehr in den Mittelpunkt, das einem die Lust vergeht. Die einen machen mit, lassen sich anstecken und tauen mit auf und die anderen ziehen sich zurück, das wäre dann ich.

    Ich muss vor diesem Wahnsinn zur Pause manchmal entfliehen und laufe einfach nur "weg" sonst werde ich verrückt. Fast nur extrovertierte Menschen um mich herum. Dann dieses ständige lästern über andere. "Der hat das gemacht, die hat das gesagt, die hat immer das gleiche an". Und manche wollen auch nur mit dabei sein um nicht selbst Zielscheibe zu werden?.

    Irgendwie passt keiner zu mir, denn ich unterhalte mich nicht in dieser Art und Weise. Ich gehe lieber alleine meines Weges. Man kann es sich wie in einer Schafsherde vorstellen. Viele Schafe mähen sich den ganzen Tag an, es sind auch paar schwarze Schafe dabei über die gemäääht wird, "die hat das gesagt, die hat immer noch die gleiche Wolle drauf...määääh" Und ich bin eher das Schaf, was etwas außerhalb steht, das frische grüne Gras frisst und die Schmetterlinge beobachtet. Vielleicht gesellt sich irgendwann mal ein anderes Schaf zu mir, was genauso sein möchte. Ich bin optimistisch, das es doch noch andere Schafe meines gleichen gibt. :D ;)


  • Ich würde die angesprochenen Schwierigkeiten tatsächlich nicht ausschließlich an Intro- und Extroversion festmachen wollen. Über andere zu lästern ist meiner Meinung nach kein Zeichen dafür, wie ein Mensch bevorzugt seine Energie gewinnt, sondern eher eine Charakterfrage.

    Auch sollte bei allem Unmut über den lauten und oftmals hektischen Arbeitsalltag nicht vergessen werden, dass Extrovertierte in einem Team ebenso wenig verzichtbar sind, wie Introvertierte.

    In einer Introvertierten Arbeitswelt wäre vieles stiller, beschaulicher und vermutlich auch besser durchdacht. Das sehe ich durchaus so. Manchmal braucht es aber auch rasche Entscheidungen und die Freude am Tun :)

    Hat jemand von euch einmal das Buch von Sylvia Löhken über Intros und Extros gelesen? Ich fand diese Lektüre sehr erhellend.
  • ja nur introvertierte wären auch nicht gut, eine gute Mischung macht es, aber wenn dann haben viele bei uns das Problem mit dem Lästern. Egal ob Intro oder Extro. Vielleicht ist es auch die Angst ausgeschlossen zu werden, oder keine anderen Themen zu finden. Ich merke halt, das die Chemie nicht immer so passt und Welten dazwischen liegen. Es war mal eine vorübergehend bei uns und als ich merkte, das ich mich irgendwie verbunden fühlte, sagte man das sie wieder geht. In solchen Situationen denke ich dann immer, warum müssen immer die gehen, die ich mag.
  • @Butterfly83
    Es wurde natürlich so reagiert, dass ich wiedermal diejenige bin, die nicht kapiert was „normal“ ist, denn leise ist man ja nur wenn man alleine ist, aber sobald Menschen in der Nähe sind, muss man sich offenbar UNBEDINGT unterhalten :D
    Das mit dem Lästern über andere ist bei uns leider auch sehr oft der Fall. Da verstehe ich dann die bei uns dazugehörige Scheinheiligkeit absolut nicht. Erst vor wenigen Wochen wurde lautstark unter fast allen Abteilungskollegen über einen Mitarbeiter einer anderen Abteilung gelästert. Dass sie froh sind, dass sie privat nichts mit ihm zu tun haben und dass er ja so anstrengend ist (der Kollege ist über 60 und vergisst halt manchmal was)… Aber als er alle zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen hat, sind sie natürlich alle hin… Mit Geschenken und haben einen auf best friends mit ihm gemacht.
    Woher soll ich wissen, ob sie nicht über mich auch lästern sobald ich nicht da bin, wenn sie das bei den anderen auch machen? Und warum sollte ich mich mit solchen Menschen wohl fühlen? Da sind einfach die Voraussetzungen nicht gegeben, dass ich aus mir raus gehe bei solchen Menschen. Ich hab auch kein Problem damit, ihnen das direkt so zu sagen aber dann heißt es wieder ICH bin viel zu sensibel und soll das doch einfach alles nicht so ernst nehmen – man regt sich halt nunmal über Menschen auf und es sei ja völlig normal, dass man sich darüber austauscht. Sehe ich halt anders… Bzw. finde ich es sinnvoller mit dem Menschen mit dem ich ein Problem habe direkt ein 4-Augen-Gespräch zu führen, anstatt hinter seinem Rücken bei anderen zu lästern und dann vor ihm so zu tun als wäre alles super perfekt.

    @enjoythesilence
    Du hast Recht, man darf eh nicht alle Intros und Extros über einen Kamm scheren wenn es um Kommunikationsschwierigkeiten geht. Ich muss trotzdem leider sagen, dass ich so ein negatives Verhalten meist bei Extrovertierten beobachte. Also da gehe ich jetzt nur von meinen eigenen persönlichen Erfahrungen aus. Dass das nicht auf alle zutrifft ist natürlich wahr.
    Wenn ich mit Freunden beisammen bin, die introvertiert sind, ist das halt alles völlig anders. Da darf man ausreden und wird nicht dauernd unterbrochen. Aber ja – ist eine Charakterfrage und keine Frage dessen, wer wie seine Batterien auflädt.
    Das von dir erwähnte Buch habe ich nicht gelesen. Komme leider generell nicht so oft zum Lesen. Und ja – nur Introvertierte wären eh nicht gut. Aber es ist schade, dass generell meistens alles so läuft wie es die lauten Menschen wollen und dabei auf die ruhigen viel zu wenig Rücksicht genommen wird. Ich fühle mich durch extrovertierte Menschen im Beruf schon sehr eingeschränkt, da ich mich aufgrund ihrer Lautstärke, dem ständigen Mitteilungsbedürfnis und dem dauernden Reden einfach nicht konzentrieren kann, was ein effizientes Arbeiten unmöglich macht.
  • @Fjara
    "Woher soll ich wissen, ob sie nicht über mich auch lästern sobald ich nicht da bin, wenn sie das bei den anderen auch machen?"
    Meine Berufserfahrung (in über 30 Jahren gesammelt) weist eindeutig darauf hin, dass man nur zuhören muss, wie jemand über andere spricht, dann weiß man, wie seine Kommunikation läuft ... Gelästert wird überall, da mache ich mir heute nichts mehr vor ... Man muss damit klarkommen - oder man hört einfach nicht mehr hin.
  • Hallo Fjara, ich sehe das genauso wie seelenbilder. Und auch ich bin über 30 Jahre im Beruf. Loyalität findest Du heute leider nicht mehr (oder gab es die nie?)

    Ich sehe Menschen, die sich umarmen und hinter dem Rücken übereinander herziehen. Es hat mich immer so erschüttert, aber mittlerweile sehe ich es als normal. Ich ziehe mich da da eher raus. Und lasse auch nicht sehr viele an mich ran.

    Wenn Abteilungsleiter über einen Mitarbeiter lästern, haben die für mich keine Führungsqualitäten. Aber auch das scheint gang und gäbe zu sein.
  • @Nethi,
    was Chefitäten betrifft, bin ich ganz bei Dir. Ob nun Abteilungsleiter oder in anderen Positionen - es wird gelästert und das zeigt den schlechten Führungsstil. Gelästert wird übrigens auch aus dem Gefühl von Angst heraus. Man muss besonders jene schlecht machen, die einem gefährlich werden könnten - weil sie vielleicht bessere Arbeit liefern ...
  • edited August 2022
    @Fjara

    das Problem kennen wahrscheinlich viele Menschen, auch bei uns ist es so. Ich kann mich auch nicht unter solchen Menschen wohl fühlen, weil ich auch nicht so bin. Ich habe schon mitbekommen, das manche sich von anderen zu sehr beeinflussen lassen, besonders dann auch über andere zu lästern. Wir hatten mal eine da, die war zwar auch nicht unbedingt meine Wellenlänge, aber sie konnte selbst zu sich stehen, sie machte nirgendswo mit und war recht neutral. Und ich bin mir bei solch beeinflussbaren Menschen nicht sicher ob ich auf sie zählen kann, wenn die immer so hin und her schwanken. Und ganz zu schweigen von Menschen, die gut manipulieren können. Wobei ich sagen muss, wir alle sind beeinflussbar, besonders durch Medien.

    Heute war auch so ein Fall, wo ich mir so dachte, das sie doch kein Hund ist, da fehlte nur noch die Leine. In so einem forschen Ton war das, das hatte nix mit "Freundschaft" zu tun, sondern eher mit Sklaverei. Auch in anderen Dingen, sie tut was und das ist dann so "richtig" und die beeinflussbare Person findet das auch richtig, weil sie es nicht weiß ob es richtig oder falsch ist. Ich kenne sie schon Jahre und weiß welche Macken sie hat oder wie sie tickt, vielleicht nicht alles. Oder aber sie log mich an und nahm meine Persönlichkeit an.

    So wie Liebe blind machen kann, kann es auch in anderen Beziehungen blind machen. Wenn dieser Mensch anders wäre, respektvoller wäre, wäre alles kein Problem aber ich muss ja mit ansehen wie dieser Mensch so kontrolliert wird. Und manchmal denke ich, da sie ja eh sehr alles für sich beansprucht, das sie es auch bei Menschen tut. Aber da kann ich leider nur zugucken. Sie weiß anscheinend ganz genau, das sie ein leichtes Spiel hat.

    Schon traurig. Ich weiß aber auch nicht , ob ich das erzählen soll, dann wird es scher auch wieder nichtig geredet, das es ja gar nicht so schlimm wäre etc. Oder die macht das absichtlich weil sie ganz genau weiß, das wir gut miteinander können. Und da sie eh sich gut aufdrängen kann, würde mich das nicht wundern. Aber das wäre echt dreist. Man weiß ja nie, es gibt genug Psychos auf dieser Erde.

    Eigentlich ist es auch egal, denn schließlich bin ich NUR auf Arbeit. Arbeite und gehe wieder heim, das wars. Das schlimme daran ist, man verbringt da den halben Tag und muss aufpassen nicht genauso zu enden.

    Am besten immer zu sich selbst stehen und auf jeden Fall nirgendswo mitmachen und am besten Menschen, die zu sehr beeinflussbar sind, fallen lassen.
  • TBn
    edited August 2022
    Die Menschen beeinflussen sich ständig gegenseitig und besonders unter Extrovertierte ist das nunmal wie es läuft. Wer die Anderen am besten beeinflussen kann ohne das ob's Extrem zu ziehen gibt den Ton an. Ich für meinen Teil habe das akzeptiert und drehe mir die Leute hin wie ich das brauche ohne unfair zu sein. Soweit ich das erkennen kann ist mein Umfeld glücklich damit und mit geht der Haufen erstens weniger auf den Zeiger und es erleichtert mir die Arbeit. Die meisten Menschen sind sowieso die, die den Löwenanteil der Arbeitskraft stellen und damit auch völlig zufrieden sind. Da bietet es sich an das Steuer zu übernehmen, denn die Meisten wollen das nicht bzw. sind nicht gut genug darin.
    Ich bin Maschinenbauer, deshalb gibt es fast nur Männer in meinem Arbeitsumfeld und selbst da wird über Andere gelästert, wenn auch in Biel geringerem Maße als bei Euch. Strukturell sind wir in mehrer Abteilungen aufgeteilt, in denen es abgesehen von den Meistern jeweils jemand den Ton angibt. In der Baugruppe-Vormontage sage ich inzwischen wo es lang geht, auch wenn ich erst 2 Jahre in dieser Firma bin. Ein Kollege hatte sich da anfangs gegen meine Übernahmeabsichten gewehrt, sich aber letztendlich doch unterworfen.
    Warum ich das getan habe? "Weil ich es kann". Genau das ist die Antwort auf all die Fragen, warum sich manche Kollegen unmöglich verhalten und damit durchkommen: Weil sie es können und Andere es zulassen. Haben sie ein Recht darauf? Natürlich nicht, aber wenn die Anderen es akzeptieren können sie es halt doch machen. Warum drücken manche Kollegen anderen ihre Arbeit auf? Weil sie es können! Ganz einfach. Haben sie ein alleiniges Recht auf diese Position bzw. diesen sozialen Status? Nein und genau deshalb kann ich da genauso zugreifen. Natürlich muss man das als "Häuptling" ordentlich machen, sonst wird man vom Fußvolk berechtigterweise weggebissen, aber hey, ich bin aufmerksam und denke sowieso viel über alles Mögliche nach, da kann ich mich auch mit sowas beschäftigen und mein Arbeitsumfeld so formen wie mir das zusagt. :)

    Schönes Wochenende zusammen.
  • edited August 2022
    hallo

    ja das hast du wohl recht. Ich mag sowas eigentlich gar nicht. Es ist dann eher wie ein Überleben und macht nicht so wirklich Spaß.

  • Wenn wir wo eingesperrt wären und es gäbe nur 2 Beutel Kekse, einer mit 100g und einer mit 50g, dann würde die einnehmende Person 100g für sich nehmen und wir anderen 2 könnten uns in den 50g reinteilen. Lol

    Genauso wenig mag ich Menschen die über andere lästern. Was sie tragen, welche Figur sie haben. Ich finde es gemein. Und da reden immer viele von Respekt, obwohl sie selbst keinen besitzen. Ich frage mich dabei, ob es Spaß macht über andere zu lachen um sich besser zu fühlen.

    Ich möchte solche Menschen nicht in meiner Nähe haben, da vergeht mir alles.



  • Naja, die Lästerei ist auch Stressabbau und das machen eigentlich alle, von daher kratzt mich das nicht. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es hilft. Es steht Dir ja frei das anders zu machen, aber Du kannst nicht für Andere entscheiden, außer Du hast Dir die Position genommen und zwingst Dein Umfeld dazu. Das kann man schon machen, dann musst Du aber Alternativen bereitstellen.
  • Hallo Leute,
    ich hatte gerade 2 Wochen Urlaub und hab mir Mal den „Luxus“ gegönnt, nicht ans Handy zu gehen und nicht auf Mails zu antworten, weil ich einfach Mal meine Ruhe wollte. Außer ein paar ganz wenigen Leuten habe ich nicht geantwortet bzw. bin ich nicht ans Telefon gegangen. Ich hatte endlich Mal täglich ausreichend Zeit für Entspannungsübungen, Sport, Hobbies, Haushalt, Freunde, Beziehung, Schlaf, meinen Vitamin D3-Mangel auf natürliche Art zu bekämpfen und für mich selbst. Umso schwerer fiel es mir heute wieder den Alltagstrott anzutreten.
    Im Urlaub kam gegen Ende des Urlaubs eine ziemlich depressive Phase, die bis jetzt noch immer anhält, weil mir im Urlaub wiedermal bewusst wurde, was ich das restliche Jahr aufgrund des Vollzeitjobs nicht oder viel zu selten machen kann.
    Man hetzt sich das ganze Jahr über durch die Woche, für einen Sommerurlaub der sich zeitlich anfühlt wie ein Wimpernschlag und um seine Miete, Fixkosten, Essen und was man halt so braucht zu zahlen. Es vergeht Tag um Tag wo man seine Pflichten erfüllt und alles zieht so schnell an einem vorbei, ohne dass man was genießen kann, weil schon wieder die nächste Pflicht wartet und einem sein Gehirn permanent daran erinnert, sodass man bloß nicht abschalten kann. Ich stelle mir in letzter Zeit immer mehr Fragen nach dem Sinn hinter dem allem.
    Aber erzählt das Mal jemand anderem in der Hoffnung, verstanden zu werden. „Ja da müssen wir alle durch, man bekommt halt nix geschenkt, sei doch nicht so verweichlicht, jeder muss was tun für sein Geld“.
    Es waren dann irgendwie so Kleinigkeiten, die ich aufgrund meiner Arbeitszeiten schon lange nicht mehr getan habe, über die ich mich freute. Mal zu den Öffnungszeiten in die Bank oder zur Post gehen oder Mal den Wochenmarkt und Flohmarkt besuchen. Mal zum Arzt zu gehen, ohne danach sofort hektisch zum Bus laufen zu müssen, um wieder in der Arbeit zu sein. Sondern stattdessen noch gemütlich zur Apotheke spazieren und sich danach noch ein bisschen auf eine Bank setzen und den Vögeln zusehen… Tagträumen…. Dem Postboten, den man sonst nie sieht, Mal etwas Trinkgeld für die vielen Pakete, die er immer bringt geben und sehen wie er sich darüber freut. Mal an einem Wochentag vormittags in ein Geschäft gehen, wo nicht schon – so wie sonst immer – das ganze Gebäck ausverkauft ist und man auch Mal was von den guten Sachen erwischt, da man es Mal geschafft hat nicht erst 10 Minuten vor Ladenschluss noch schnell hineinzulaufen.
    Was mir den heutigen Start auch nicht gerade erleichtert hat, war dann noch dass ich laut Kollegen schon wieder unkollegial war. Sie hätten mir am Donnerstag auf meine private Mail Adresse eine Mail geschickt, weil ein Gerät nicht funktionierte und ob ich wüsste, was da sein kann. Und ich Unmensch habe mir nichtmal ein paar Minuten Zeit genommen um zu antworten. Deshalb haben sie dann alle zu messenden Proben auf meinem Platz gestapelt die ich nun nebenher nach der Reihe abarbeite. Der Fehler war, dass sie zwar das Gerät, aber nicht den Hauptschalter des dazugehörigen Kühlers eingeschaltet haben. Hätte man auch ohne mich draufkommen können.
    Naja, willkommen zurück im Wahnsinn^^
    Um nicht nur so dahinzujammern, noch eine Frage an euch: In welchen Berufen seid ihr so und wie glücklich seid ihr damit? Wie sieht eure Work-Life-Balance so aus? Geht es euch auch so, dass ihr in eurer „Freizeit“ nicht wisst womit ihr anfangen sollt weil dauernd so viele Dinge anstehen?
  • Hallo Fjara,
    meine letzte Urlaubswoche ist jetzt angebrochen. Und ich habe meine Zeit auch ganz gut für mich genutzt. Ich habe gedacht, ach wie schön ist es doch, seinen Tag einfach nur verlaufen zu lassen und das zu tun, was man grade will. Ich konnte endlich mal wieder viel lesen, unendlich viel lesen. Das ist auch etwas, was einfach zu kurz kommt, wenn ich arbeite.

    Und ich war mal wieder im Kino, mache ich ja auch nicht, wenn ich arbeite. Ansonsten habe ich auch viel für mich getan. Großartig verreist bin ich nicht, nur Kurztrips und Tagesausflüge. Ich mag nicht mehr verreisen, ich verstehe es gar nicht, aber mir fehlt dazu einfach die Lust. Das hat sich bei mir verändert. Früher war ich so gerne lange und weit weg. Auch wenn alle immer sagen, sie müssen raus, um einfach mal nichts zu tun. Das geht bei mir gar nicht. Zu meiner Erholung gehört auch der Haushalt dazu. Ich mag es einfach, in meinem Haus rumzuwirtschaften, mal hier, mal da. Und immer unterbrochen von Erholungsphasen und schönen Dingen, die ich so tuen kann.

    Ansonsten geht es mir ähnlich wie Dir. Ich arbeite im Büro und bin abends, wenn ich nach Hause komme, so platt, dass ich zu nichts mehr Lust habe. Gerade neulich habe ich mir gedacht, ich will das nicht mehr, aufstehen, arbeiten, Essen machen, Couch und dann ins Bett. Eigentlich müsste man nach der Arbeit immer noch was schönes machen, um dem Tag noch ne besondere Note zu geben. Aber wie, wenn man so kaputt ist? Kaputt bin ich ja nicht nur von der Arbeit, sondern von dem ganzen Geschwirr und Geplapper, was permanent auf mich eindrönt. Hinzu kommt, dass ich kaum eine Arbeit in Ruhe und ohne Unterbrechung erledigen kann. Das kann ich leider nicht ändern, das ist mein täglich Brot.

    Aber ich habe mir mal wieder vorgenommen, wie so oft, meinen Tagesablauf zu ändern. Nach der Arbeit ein Rundgang oder eine Tour mit dem Rad sollte schon drin sein, das habe ich früher auch gemacht.

    Dass man im Urlaub von der Dienststelle kontaktiert wird, halte ich für eine Unart. Ich persönlich möchte es nicht und ich mache es bei anderen nicht. Auch, wenn ich von meiner Kollegin zu hören kriege, ich kann mich bei ihr jederzeit melden im Urlaub, wenn was ist. Aber da weigere ich mich. So wichtig kann doch gar nichts sein, dass man den anderen nicht mal zwei oder drei Wochen in Ruhe lassen kann. Aber ich kenne genug Leute, die checken ihre dienstlichen Mails, wenn sie im Urlaub sind. Aber ich bin jemand, der Dienst und privat strikt trennt. Und das soll auch so bleiben.



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