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Die Macht der Eltern…

Liebe Community, mir brennt seit gestern etwas auf der Seele, was ich mir unbedingt runter schreiben muss, aber ich muss etwas ausholen, um mich zu erklären.

Meine Kindheit war… Naja es hätte schlimmer sein können, aber schön war sie nicht. Ich habe oft erlebt wie mein Vater meine Mutter und mich geschlagen und gedemütigt hat, zum Beispiel wenn meine Mutter sein Frühstücksei zu lange kochte oder ich eine schlechte Note in der Schule hatte. Ich wurde dauernd von ihm „Saubauch“ genannt (ich war nie dünn) und ging oft weinend ins Bett. Ich hatte als Kind richtig Angst vor ihm und verstand nie, was ich falsch gemacht habe und warum er mich so fertig machte. Probleme mit dem Selbstwertgefühl habe ich schon seit ich denken kann und ich habe es nie geschafft, mich so zu akzeptieren wie ich bin.

Ich fühlte mich richtig abgelehnt von ihm. Ich durfte zB auch nur 2x in der Woche duschen und wurde in der Schule oft gehänselt und die Kinder nannten mich Stinki. Als ich meine erste Periode bekam, wollte ich unbedingt duschen weil ich mich so eklig fühlte und durfte nicht. Wenn ich keine Eins in einem Test bekam, wurde irgendetwas von meinen Sachen zerstört und er hat es einfach in den Kachelofen geworfen. Das waren manchmal Kinderzeitschriften, manchmal Zeichnungen, die ich im Kindergarten gemacht habe oder Dinge, die ich für ihn zB zum Vatertag gebastelt habe.

Ich war immer schon außerordentlich sensibel und habe mir gedacht, dass meine Introversion vielleicht einfach aus der Kindheit kam und ich nicht introvertiert geboren wurde. Ich hatte kaum Freunde und wurde sowohl von meinem Vater als auch von den Schulkindern gemobbt. Die Nachbarskinder waren eigentlich okay aber mit denen durfte ich nie spielen. Es war niemand gut genug für mich, entweder weil die Eltern keinen ordentlichen Job hatten oder weil es laut meinem Vater „Ausländergesindel“ sei und mit solchen Menschen habe ich mich nicht abzugeben. Als Kind verstand ich das kaum, für mich waren das alles einfach ganz normale Kinder, egal woher sie kommen oder was ihre Eltern arbeiten.

In der Pubertät begann ich dann zu rebellieren. Ich hatte keinen Respekt mehr vor ihm da er dauernd meine Mutter zum Weinen brachte und gewalttätig war. Ich hatte Angst, nach der Schule heim zu gehen und trieb mich stattdessen in den Wirtshäusern herum. Dadurch lernte ich auch Personen kennen, mit denen eine 15-Jährige besser nicht zu viel verkehrt. Das wirft er mir heute noch vor und sei unverzeihlich. Einmal rief ich als Jugendliche die Polizei an, weil ich Angst hatte, dass er sie umbringt. Da meine Mutter keine Anzeige machen wollte, fuhren sie wieder und ich wurde danach grün und blau geschlagen, weil ich ihn verraten habe. (ich erzähle das nicht, um Mitleid zu erhaschen, sondern um zu erklären, weshalb ich kein gutes Verhältnis zu ihm habe).

Mein ganzes Leben lang habe ich versucht, etwas Anerkennung von ihm zu bekommen. Als ich dann alt genug war, um auszuziehen, blühte ich endlich Mal richtig auf. Niemand konnte mir mehr vorschreiben, wann ich duschen oder einheizen darf, ich habe endlich alles selbst in der Hand. Niemand schlägt mich nun mehr, ich kann machen was ich will. Ich wollte trotz allem ein gutes Verhältnis zu beiden Elternteilen und habe beschlossen, ihm zu verzeihen und das alles hinter mich zu lassen, da ich einfach ein neues Leben anfangen wollte. Frei von Angst und Gewalt und Groll gegenüber irgendwem. Das lief einige Jahre ganz gut.
Und plötzlich fühlte ich mich wie zurückgerissen. Immer öfter kamen Panikattacken. Fast jede Nacht Alpträume davon wie er meine Mutter oder mich schlägt. Letzte Woche träumte ich, dass er ihr die Arme abhackt und sie blutüberströmt vor meiner Türe steht. Nach wie vor kritisiert er dauernd mein Übergewicht. Als ich ihm vor 2 Wochen erzählte, dass ich mir einen Ergometer gekauft habe, sagte er nur "und was willst du damit? Hast doch noch nie geschafft, abzunehmen, warum solltest du es jetzt schaffen?" ..
Gestern am Muttertag war ich bei ihnen zu Besuch und in dem Moment als ich das Haus betrat, fühlte ich mich plötzlich total unwohl. Alles was hier früher passiert ist, kam in mir hoch und obwohl ich mir vorgenommen habe, die Vergangenheit hinter mir zu lassen, und er gestern total freundlich zu mir war, hatte ich plötzlich einen totalen Aussetzer. Fing an, ihn anzuschreien, dass er meine Kindheit hier ruiniert hatte und lief heulend davon. Meine Mutter weinte und ich habe ein irrsinnig schlechtes Gewissen.
Ich kam wieder zurück und entschuldigte mich. Daraufhin sagte er, ich hätte nun bei ihm ausgeschi…. Ich hätte damals als Kind jede einzelne Tracht Prügel verdient und wenn ich mehr Anerkennung gewollt hätte, hätte ich mich halt mehr bemühen sollen. Ich solle mich nicht so aufspielen, Gewalt sei was völlig Normales, er sei ja auch von seinem Vater geschlagen worden und lebt noch. Und wenn er mich nicht geschlagen hätte, wäre aus mir nur ein nutzloser, verweichlichter Mensch geworden. Er ist sich keiner Schuld bewusst und ich bin nun das Arschloch, das meiner Mutter den Muttertag versaut hat.

Ich kann momentan an nichts anderes mehr denken und frage mich, ob ich wirklich einfach zu sensibel bin. Mir tut es für meine Mutter so leid, was gestern passiert ist, da sie absolut nichts dafür konnte. Sie sagte, sie kann das verstehen, ich hätte halt einen schlechten Tag gehabt und dass sie mir nicht böse ist. Trotzdem frisst mich das auf, ich habe kaum geschlafen und bin total fertig.

Ich versuchte, mich meinem Vater zu erklären, aber es interessiert ihn nicht. Für ihn bin ich die böse Tochter, die sich in der Pubertät mit arbeitslosen Kiffern herumgetrieben hat und ich solle froh sein, dass er mich überhaupt noch ins Haus lässt. Dass ich aber nach meinem Auszug eine Ausbildung zur Chemielabortechnikerin machte, erfolgreich abschloss und seit Jahren meinen Job sehr gut mache und das von früher alles Vergangenheit ist, schätzt er nicht Wert. Ich bin laut ihm an allem Schuld. Hätte ich als Kind weniger gegessen, wäre ich nie übergewichtig gewesen und wenn ich mich in der Schule mehr bemüht hätte, dann hätte er meine Sachen auch nicht zerstören müssen.

Hat jemand einen Ratschlag was ich tun soll bzw. wie ich damit umgehen soll? Ich will ihn nicht aus meinem Leben entfernen, immerhin ist es ja mein Vater. Andererseits bin ich so dermaßen verletzt, dass ich offenbar alles was geschehen ist, noch nicht so richtig verarbeitet und damit abgeschlossen habe. Ich will mich nicht dauernd selbst bemitleiden und neu anfangen, dann denke ich mir, dass ich es geschafft habe, und plötzlich kommt wieder so ein Alptraum oder eine blöde Meldung von ihm, die den ganzen Groll wieder neu entflammt. Mein Partner bekommt das dann auch oft ab obwohl er nichts dafür kann.
Hat vielleicht jemand ähnliche Probleme mit den Eltern und hat es geschafft, sich Denkmuster anzueignen, damit einen das nicht mehr so belastet? Wenn ja, wie?

Kommentare

  • Hört sich ein bisschen an wie die Geschichte zwischen mir und meiner Mutter. Ich gebe Dir jetzt einen Ratschlag, den ich selbst nicht schaffe, zu beherzigen. Begib Dich so schnell wie möglich, falls Du es nicht schon bist, in eine Therapie und brich alle Brücken zu diesem Menschen (Deinem Vater) ab. Da bedarf es keiner psychotherapeutischen Ausbildung um zu erkennen, dass er ein absolut selbstsüchtiger, narzisstischer Tyrann ist, der Dir und Deiner Mutter heute noch das Leben schwermacht. Würde er sich heute geändert haben, sich ggf. einmal bei Euch entschuldigt und Verantwortung für seine Taten, ja Taten, übernommen haben, würde ich das ganze anders beurteilen. Aber so: Er hält Dich immer noch klein, Du bist immer noch das kleine Mädchen, dem er erfolgreich Schuldgefühle einreden und es klein reden kann. Damit gibst Du ihm eine ganze Menge Macht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, aus diesen destruktiven Verhaltensmustern kommt man alleine nicht raus und schafft auch keine Ablösung, weder innerlich, noch äußerlich. Fühl Dich mal ganz lieb gedrückt, es macht mich unglaublich betroffen, so etwas zu lesen. Ich hasse wg. genau dieser Sachen auch Veranstaltungen wie Muttertage, Weihnachten, Familiengeburtstage etc., nur dass ich meinem Vater verzeihen konnte, weil ER im Gegensatz zu meiner Mutter die Verantwortung für seine Taten übernommen hat und das schon vor sehr langer Zeit. Das gelingt aber nicht jedem. Es handelt sich bei dieser Generation z. T. um selbst schwer traumatisierte Menschen in der Kindheit. Das soll es nicht entschuldigen, hilft aber vielleicht, es etwas besser zu verstehen.
  • SanSan
    edited Mai 2022
    Ich sehe das ganze genau so wie @Kassandra und möchte dich auch gerne einmal fest drücken und dir sagen, wie leid mir das tut, was du da aushalten musstest und noch musst.
    Narzissmus ist wohl hier tatsächlich das Zauberwort. Mach dir klar, dass Narzissten niemals ändern werden, wer sie sind und was sie tun. Niemals. Für den Rest ihres Lebens nicht. Zudem ist er noch ein Missbraucher, was meiner Meinung nach strafbar sein sollte, aber es lässt sich zumeist nur körperlicher oder sexueller Missbrauch beweisen und selbst dann muss der missbrauchte Teil zu einer Anzueige bereit sein, aber die Personen sind meistens so klein-geprügelt, dass sie es nicht wagen.

    Bitte mach dir eines bewusst und ich meine das zu 10000% und ich würde dir gerne tief in die Augen schauen während ich dich an den Armen festhalte und sehen, dass du auch wirklich bis ins tiefste Mark deiner Seele begreifst, was ich dir sagen will: Du bist nicht Schuld daran, wie dein Vater sich dir und deiner Mutter gegenüber verhält. Nichts, und ich wiederhole: NICHTS rechtfertigt eine solche Behandlung. Eine solche Behandlung ist NICHT normal. Von Mensch zu Mensch nicht und schon GAR nicht von Elternteil zu Kind. Zwei Menschen, die ein Kind miteinander machen, gehen einen Pakt dazu ein, ein neues Lebewesen in diese Welt zu setzen und das so gut wie möglich großzuziehen und es für ein eigenenstädniges Leben fit zu machen. Schläge, Herabwürdigungen und maßgebliches CPTSD gehören da nicht dazu!
    Ich bitte dich inständig, brich den Kontakt zu deinem Vater ab. Komplett. Begib dich in therapeutische Hilfe, um aufzuarbeiten, was dein Leben lang passiert ist. Ich weiß, ich bin kein Profi und kann dir keine zuverlässige Diagnose geben, aber es klingt wirklich wie CPTSD, was du da erlebst (fortgeschrittenes posttraumatisches Stresssyndrom, ausgelöst durch langzeitliche extreme Misshandlung).

    Du kannst ruhig mit deiner Mutter weiter kommunizieren, wenn du um sie besorgt bist aber den Kontakt von deinem Vater solltest du unbedingt vorerst komplett einstellen, denn du kannst nicht in der Umgebung heilen, in der du krank geworden bist. Du kannst auch deine Mutter nicht retten, wenn sie nicht gerettet werden will (glaub mir, ich hab versucht, meinen Vater zu retten, es klappt nicht und du zerbrichst dich nur selber). Vor allem wenn du selber nicht heile bist und die Kraft dazu hast, 2 Personen zu tragen, kannst du niemanden sonst retten. Das wollte ich nur dazwischen geschoben haben, falls der Gedanke an deine Mutter dich davon abhält, auf no-contact mit deinem Vater zu gehen.

    Lass dir nicht einreden, dass du ihm irgendetwas schuldest. Du hast nicht darum gebeten, dass deine Eltern dich zur Welt bringen. Wie gesagt, es war deren Aufgabe, dich fürs Leben fit zu machen und seine Taten haben dich hart gemacht und gebrochen.
    Du schuldest deinen Eltern NICHTS dafür, dass du noch am Leben bist. Das war das MINDESTE ihrer Aufgaben als deine Eltern. Das war kein großer Verdienst, der gefeiert gehört. Es war das mindeste, ihr Kind nicht sterben zu lassen, weil sonst wäre das Mord. Und sehr viel mehr hat er nicht für dich getan, außer dass er dich nicht umgebracht hat.
    Ich hasse das Argument "er ist doch dein Vater!". Wäre er ein Freund, würdest du ihm längst die Tür weisen und aus deinem Leben werfen! Niemand darf so mit dir umspringen. Familie ändert an dieser Tatsache NICHTS. "Familie" ist nur ein Wort, wenn die Menschen, die diesen Titel tragen, dich behandeln wie Dreck. Familie ist eine leere Worthülse mit keinerlei Verpflichtung für Respekt, wenn dieser ausschließlich einseitig gegeben wird. Eltern müssen ihre Kinder genau so mit Respekt behandeln. Kinder sind kein Eigentum, das nach Belieben herumgeschleudert und zerbrochen werden kann wie es einem passt. Kinder sind eigenständige Menschen. Ich bin so unfassbar fucking wütend auf diesen Mann!

    Bitte, bitte such dir einen Therapeuten und arbeite dein Trauma auf. Um an die ganzen Tiefen heranzukommen braucht man Hilfe und Halt und einen Fahrplan. Bitte denk auch daran, was du deinem Partner antust, wenn du den Missbrauch deines Vaters in einer emotionalen Reaktion weiterleitest. Das hat dein Partner nicht verdient. Und solltest du Kinder bekommen, wirst du vielleicht den Kreislauf des Missbrauchs einfach weiterleben, wann immer dein Kind dich überfordert, herausfordert oder frech wird. Das hat niemand verdient. Allen voran hast du es nicht verdient. Es liegt an dir, aus dem Karusell auszusteigen, das dein Opa (oder vielleicht dessen Vater oder dessen Vater) begonnen hat.

    Edit: Und darf ich mal sagen: DU BIST NICHT ZU SENSIBEL. ICH bin sensibel! DU BIST TOUGH nach allem, was ich über dich gelesen habe. Du hast diesen krassen Missbrauch ertragen und du stehst noch. Du führst eine Beziehung trotz allem, was du hinter dir hast, das heißt du bist in der Lage, tiefe Emotionen zu empfinden und hast jemanden gefunden, mit dem du dich gut ergänzt: Ergo, du hast deine Menschlichkeit bewahrt. Du leidest darunter, was dir angetan wurde und noch immer angetan wird. Das ist nicht "zu sensibel sein", das ist das fucking Mindeste und es sind deine Wut und dein Gerechtigkeitssinn, die dich intern anschreien, dass es nicht okay ist, wie er mit dir (und deiner Mutter) umgeht. Ich empfinde großen Respekt für dich und hoffe, dass du den Respekt vor dir selber findst und diesen Mann für sich alleine wütend und unmöglich sein lässt.
  • Liebe Kassandra und San, danke für eure lieben Antworten und dass ihr euch die Zeit genommen habt, zu schreiben.

    Ich glaube manchmal, dass er vielleicht garnichts dafür kann, dass er so ist, weil er vielleicht einfach nur krank ist. Seine Schwester, also meine Tante hat Schizophrenie, sein Bruder starb mit 53 weil er starker Alkoholiker war und sich im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode trank, seine Mutter mit 55 an einem Herzleiden, sein Vater litt an starker Demenz… Meine Schwester lebt mit einer schweren Behinderung in einem betreuten Wohnen. Dass da vielleicht in der Familie väterlicherseits irgendwie was mit den Genen nicht ganz stimmt oder so und ich einfach das Glück hatte, mehr nach meiner Mutter zu kommen. Ich weiß auch nicht…
    Er hat ja auch den totalen Kontrollwahn. Wenn meine Mutter ihre Mutter besucht, schaut er auf den Kilometerzähler vom Auto, um zu sehen ob sie sonst noch wo hin gefahren ist und macht Kontrollanrufe. Zu mir darf sie garnicht ohne ihn, weil es könnte ja sein, dass wir zusammen über ihn schlecht reden. Wenn ich mit ihr telefoniere, steht er dauernd neben ihr und hört mit was wir reden. Ich hab mich schon damit abgefunden, dass ich meiner Mutter nicht helfen kann weil sie nicht will. Sie hatte schon vorher Mal eine Ehe, die schief ging und sagt immer sie will sowas nicht nochmal durchmachen, er würde ihr keine Ruhe lassen und sie würde ihm zutrauen, dass er sie stalkt und ihr auflauert und mit Gewalt dazu bringen will zurück zu kommen. Sie hat auch schon öfter Polizei und Anwälte eingeschaltet als er gewalttätig war und sie bedroht hat. Außer dass sie einen Haufen Geld für den Anwalt zahlen musste, kam aber nichts dabei raus. Er kann das ganz gut, dass er dann auf die Tränendrüse drückt und ist sehr manipulativ. Er schafft es irgendwie immer, dass nachher alle anderen als die Verrückten da stehen und er als das Opfer.
    Mir wurde Mal von einem Polizisten gesagt, dass ich verstehen muss, dass das sehr schlimme Konsequenzen hätte, wenn wir ihn verhaften ließen (er ist mit Polizisten und Anwälten privat sehr gut befreundet, was ich damals noch nicht wusste), und wenn sie ihn verhaften, dann verlieren wir alles – das Haus, er seine Arbeit und ich muss in ein Heim und sehe meine Mutter nicht mehr – ob ich das denn wirklich will. Hab mich damals dann natürlich nicht mehr getraut etwas zu sagen, da sowieso ich als diejenige da stand die „nur“ wegen einer Ohrfeige die Polizei rief. Danach sind sie noch bei meinem Vater im Wohnzimmer gesessen, haben gequatscht und zusammen gelacht und sind wieder gefahren.
    Die Hemmschwelle ist auch, weil ich ganz genau weiß, wenn ich den Kontakt zu ihm abbreche, verliere ich ihn gleichzeitig zu meiner Mutter auch, weil sie ja kaum was ohne ihn tun darf. Meine Mutter nimmt seit Jahren Antidepressiva und duldet halt alles was er mit ihr macht, ohne sich helfen zu lassen.
    Das schlimmste für mich und mein künftiges Leben ist wohl wirklich, dass ich mich immer öfter selbst dabei erlebe, wie ich in harmlosen Situationen total überreagiere. Ich denke mir dann immer „BITTE, ich will nicht so werden wie er“.
    Ich werde eure Ratschläge beherzigen und mich Mal erkundigen bezüglich einer Therapie.
  • Ufff das ist natürlich mega hart wenn die Polizei ihrem oft schlechten Ruf alle Ehre macht und absolut parteiisch auf der falschen Seite sich mit nem Missbraucher verbrüdert und die Opfer der Situation bedroht und mit Machtspielchen klein hält. Scheiße, da weisste ja genau, du kannst auf niemanden zählen außer dich selber.
    Schau mal auf Therapie.de nach, da gibt es eine Suchfunktion, wo man die Postleitzahl und die Bezahlart (also Krankenkasse) und die freien Plätze eingrenzen kann. Durch Corona sind glaub ich generell wenig Plätze vorhanden, ich bin schon mal saudumm angemacht worden, weil ich den Tipp mit Therapie.de genannt hab und Leute es MIR dann angekreidet haben, dass ich meinte "Leute, sucht euch Hilfe" aber es gibt keine Hilfe, weil es keine Plätze gibt.
    Falls du da Unterstützung brauchst, kannst du mich auch gerne direkt anschreiben, ich hab den Prozess 2 Mal gemacht mit der Therapie. Also einfach falls du wissen willst, was du genau machen musst.

    Ich kann dir leider nicht wirklich was dazu raten, weil ich natürlich nach der Schilderung einsehe, dass du deine Mutter nicht alleine erwischen wirst und dass sie sich niemals aus dieser Hölle freikämpfen wird. Ich kann nur hoffen, dass du professionelle Hilfe findest, die dir da einen besseren Rat geben kann als wir hier.

    Zu dem Gedanken, er kann ja nichts dafür. Nee es ist schon klar, dass kein Kind "so" auf die Welt kommt. Wir alle sind Ergebnis unserer Erfahrungen und Umgebungen.
    Ich hab mal den Spruch gelesen: Du trägst keine Schuld an dem, was dir angetan wurde. Aber du trägst die Verantwortung dafür, damit umzugehen und niemand anderem damit zu schaden. Soll heißen, wir können nichts dafür, wie wir von der Welt missbraucht werden, aber es liegt an uns, diese Dinge zu reflektieren, zu hinterfragen, zu verarbeiten und in etwas Besseres umzuwandeln. Die Generation unserer Väter konnte das noch nicht. Die wuchsen auf unter Leuten, die im Krieg zerstört wurden. Die grausame Dinge getan haben und darüber zerbrochen sind. Die nicht aufhören konnten, grausame Dinge zu tun und ihre Kinder zu zerbrechen, sodass Missbrauchte zu Missbrauchern wurden. Auch Narzissmus wird jungen Kindern angetan, damit kommt man nicht auf die Welt.

    Man kann für diese Leute Empathie und Mitgefühl empfinden und es dennoch absolut Scheiße finden, was sie einem antun und wissen, dass es nicht recht ist, dass sie das tun und dass man etwas Besseres verdient hat.
    Unsere Generation und die darunter (vorausgesetzt wir kriegen keinen neuen Krieg und können uns auf solche Sachen wie "mental health" und emotionales Wachstum konzentrieren) werden hoffentlich dafür sorgen, dass einige Familientraumata gestoppt und nicht weitergegeben werden. Das ist viel Arbeit und diejenigen, die erst in vollem Unfang davon profitieren können sind unsere Kinder, die niemals erfahren werden, wie es sich anfühlt, Schläge zu bekommen oder von den Leuten, die sie am meisten lieben herabgewürdigt zu werden.
  • @San: Danke für den Tipp mit therapie.de, aber ich bin in Österreich zuhause, deshalb kann ich dort nichts suchen. Ich werde mich aber demnächst Mal erkundigen darüber wie das bei uns ist, ob es da freie Plätze gibt.
    Ich bin ja einerseits wirklich froh, dass ich ihm nicht mehr täglich ausgesetzt bin und meine eigene Wohnung habe, aber ich merke halt in meinen Träumen und Emotionen, die bei mir oft wegen Kleinigkeiten sofort hochfahren, dass das nicht normal ist und ich da offenbar, anders als geglaubt, das nicht gut verarbeitet habe. Ich rede mir immer ein, dass ich jetzt frei bin und tun kann was ich will, und trotzdem spüre ich seine Macht noch jedes Mal wenn ich bestimmte Entscheidungen treffe, als ob er vor mir stehen würde und sagen würde „tu dies nicht, tu das nicht“.
  • @Fjara
    Es kann gut sein, dass er in seiner Kindheit selbst ein OPFER war. Heute ist er jedenfalls selbst ein TÄTER und Du musst die Illusion aufgeben, ihn dahingehend noch einmal ändern zu können. Deine Mutter ist erwachsen und hat für sich selbst entschieden, sowohl ihre Kinder als auch sich selbst diesem Menschen für den Rest ihres Lebens auszusetzen, sie bleibt freiwillig das OPFER. Mach bitte nicht das Gleiche. Du bist eine ÜBERLEBENDE (sorry für die dramatische Ausdrucksweise, ich will nur, dass es irgendwie zu Dir durchdringt) aber Dein Überleben ist sehr fragil und alle mentalen Probleme, die aus diesem Trauma entstanden sind, werden mit der Zeit größer werden und wenn in Dir nur ein kleiner Teil ist, der irgendwann frei und unabhängig ein ansatzweise glückliches Leben führen will, dann befreie Dich bitte von diesem Menschen und suche Dir dazu jede erdenkliche Hilfe, die Du kriegen kannst. Und wenn Deine Mutter nicht will, dann lass sie, ihre Entscheidung. Dieser Mensch hat Euren Selbstwert zerstört. Es wird Jahre dauern, den soweit wieder aufzubauen, solche destruktiven, ich wollte erst schreiben Monster wie Deinen Vater zu enttarnen. Mich macht sowas so unendlich traurig, weil man es so unglaublich oft von Frauen hört. Es ist so schwer, da von außen zu helfen.
  • @Fjara Was Kassandra und San da schreiben, kann ich nur unterstützen. Es ist furchtbar, was du durchstehen musstest und jetzt erfährst.
    Ein großer Schritt, als du deinem Vater verziehen hast. Doch darf ich fragen, ob du dich vielleicht einfach nur überwunden hast, den Kontakt zu ihm und deiner Mutter wieder aufzunehmen? Um dieser Idee, wie deine Familie sein könnte, sein sollte stattzugeben? Verzeihen bedeutet auch loslassen und das sehe ich in deiner Beschreibung nicht.
    Tut mir leid, wenn ich hart wirke.

    Ich kann dir nur sagen: Schau, dass es dir selbst gut geht. Und dafür nimm Hilfe in Anspruch. Du hast so viel Wert.
    So traurig, dass deine Eltern ihren eigenen Wert anscheinend nicht erkannt haben, was immer ihnen widerfahren ist. Immer weitermachen, sich nicht neu erfinden und selbst kennenlernen - glücklich sind beide nicht. Da findest du nichts für dich.

    Doch wenn du dich selbst findest, zeigst du ihnen auch, dass es anders geht. Vielleicht die beste Idee, wie deine Familie sein kann? Ich wünsche dir Mut, Kraft und Liebe für dich selbst.
  • Danke für eure Antworten.

    Ich weiß nicht ob ich das verzeihen nennen darf. Ich möchte es am liebsten vergessen und ihm nicht mehr vorwerfen, da ich es ja eh nicht ändern kann was passiert ist. Am liebsten neu anfangen und zumindest jetzt sowas wie eine harmonische Beziehung aufbauen. Trotzdem holt es mich immer wieder ein, auch wenn ich nicht mehr daran denken möchte. Auf einmal kommt wieder alles in mir hoch und ich habe (was dann auf Außenstehende wie aus heiterem Himmel wirkt) entweder einen Wutanfall oder fange zu heulen an.

    Das selbe Problem habe ich übrigens bei meinem Partner auch. Im Streit sagt man manchmal Sachen, die man nicht so meint und später bereut. Passiert mir auch oft. Ich bin froh, wenn er dann sagt "Schatz, ist schon wieder vergessen - alles gut". Und dann wird nicht mehr davon gesprochen.
    Ich bin grundsätzlich auch dagegen, dass man nachtragend ist. Und möchte das auch selbst nicht sein. Aber wenn dann ein anderer Streit ist, kommt dann wieder alles hoch, was er irgendwann mal gesagt hat (keine wirklich schlimmen Dinge, aber halt etwas, das mich in diesem einen Moment gekränkt hat). Wie gerne würde ich sowas einfach nur vergessen und nie wieder dran denken. Hat ja niemand was davon.

    Puh... es ist gerade alles zum kotzen... Ich versuche, mich zu entspannen, runterzukommen, kann das aber nicht, wenn dauernd neuer Kram dazukommt. Vielleicht war mein Ausraster auch in Kombination dessen weil mir momentan alles zu viel wird.

    Und heute dann auch noch erfahren, dass ich für die nächsten Monate nichtmal mehr in meiner Wohnung (bin auf Miete drin) meine Ruhe haben werde. Wasserschaden, dem Nachbar unter mir tropft es von der Decke und da ich die ganze Woche tagsüber arbeiten bin, muss ich nun meinen Schlüssel hergeben, damit die Installateure, Gutachter, Hausverwaltung, der Vermieter und Hausmeister usw. jederzeit rein können.

    Am liebsten würde ich mal eine Woche wegfahren und abschalten aber ich habe keinen Urlaub mehr übrig. Ging alles drauf für Termine, lästige Erledigungen usw.

    Versteht natürlich auch keiner von der Hausverwaltung wenn ich sage, dass ich mich dadurch in meiner Privatsphäre stark beeinträchtigt fühle (vor allem als extrem introvertierte Person) und deswegen gerne während dieser paar Monate in eine andere Wohnung gehen würde. Ist ja laut denen nicht so schlimm, hab nur den ganzen Tag fremde Leute bei mir, die meine Wohnung zu einer Dauerbaustelle machen.

    Sorry für das ganze Selbstmitleid, ich bin nur grad mit allem ziemlich überfordert ...










  • @Fjara
    Irgendwie habe ich das Gefühl, was man Dir sagt, dringt nicht wirklich zu Dir durch. Vielleicht noch nicht der richtige Zeitpunkt. Ist ein bisschen, wie mit einer Wand zu sprechen.
  • @Kassandra Ich kann verstehen dass du so denkst. Ich arbeite gerade daran, dass ich versuche, meine Gedanken aus der Richtung zu bringen, in der ich diejenige bin, die immer alles falsch macht. Ich versuche einzusehen, dass früher einfach zu viel schief gelaufen ist und dass er derjenige sein müsste mit dem schlechten Gewissen und nicht ich. Danke für deine lieben Ratschläge und Worte.
  • Hallo Fjara

    Puh harter Stoff ich muss erstmal kurz Durchatmen .
    Zuerst mal wie hier schon einige schrieben DU bist nicht daran schuld das dein Vater sein wohl zu geringes Selbstwertgefühl damit steigern wollte in dem er Gewalt "psychisch und physischer Natur" gegen dich und deine Mutter Ausübt.!!
    Du wirst sowas nicht vergessen können und was auch immer du Glaubst , ganz tief in dir drin wird dir klar sein das Verzeihen nichts wird denn es war falsch was er Getan hat und wir alle wissen das , selbst Du oder ?
    Und es ist auch nicht an dir das "verzeihen" einzuleiten , wenn irgendwann in der Zukunft und sei es auf seinem Sterbebett Er dich ernsthaft und aufrichtig um Verzeihung Bittet dann ist es an dir eine Wahl zu treffen nicht vorher . Und wenn nicht sei es drum Akzeptiere es und lebe dein Leben so wie du es willst und so das es dich glücklich macht . Zur Anerkennung ,lass es sein du würdest von ihm nur Anerkennung für dinge ernten die du Verabscheust und in dem du das versuchst behält er selbst nach all den Jahren "macht" über dich , dein denken und dein handeln.
    Aber mir scheint da ist jemand den du helfen könntest und den du in deinen Zeilen wenig Beachtung gefunden hat .
    Deiner Mutter frag dich mal wie sie sich fühlen muss in dem wissen das sich dich nicht Beschützen konnte das sie zu schwach was sich zu widersetzen ich Befürchte das sie sich Dir gegenüber sehr schuldig fühlen wird und das obwohl sie eigentlich auch nur ein Opfer ist .Wenn du jemanden Verzeihen möchtest der es Verdient ist es evtl Sie ....
  • @Arckaf danke für deine Antwort. Mein Leben so zu leben wie ich will, daran hindern mich meine eigenen Gedanken. Ich hindere mich quasi selbst daran.
    Das mit meiner Mutter ist so, dass wir eigentlich ein sehr gutes Verhältnis haben ,aber sie ja nichtmal frei mit mir sprechen kann, weil er sie so stark kontrolliert mit wem sie redet, wer ihr SMS schreibt usw. Ich hab ihr gesagt dass ich zu 100% hinter ihr stehe, wenn sie sich dazu entscheidet ihn zu verlassen, aber das will sie ja nicht. Ich kann ihr sogesehen nicht helfen, wenn sie in dieser Situation bleiben will.
  • @Fjara
    Es bringt sicherlich auch wertvolle Erkenntnisse darüber nachzudenken, wie genau Dein Vater eigentlich seine Macht über Dich ausübt. Ich gehe auch davon aus, dass Dich Dein Vater braucht, um sich selbst "an Dir hochzuziehen", weil sein eigenes Leben so beschissen ist. Wenn Du wirklich so schlimm wärst wie er das sagt, hätte er Dich vermutlich wirklich nicht mehr in's Haus gelassen. Überlege Dir doch bei Gelegenheit mal genau, welche Rahmenbedingungen bei Deinen Besuchen erfüllt sein müssen, dass Du nicht vorzeitig gehst.
    Ich für meinen Teil würde ohne anzugreifen mein Missfallen über seine unangebrachte Geringschätzung zum Ausdruck bringen und wenn weitere Angriffe seinerseits nicht ausbleiben meinen Besuch dieses Mal vorzeitig beenden. Meine freie Zeit kann ich auch angenehmer / sinnvoller verbringen, anstatt mir unangebrachten Mist von jemandem anzuhören, selbst wenn er von meinem vater kommt. Beim nächsten Besuch dann das ganze von vorne bis er es kapiert. Sollte er sich dann irgendwann zurücknehmer, darfst Du ihn dann leider nicht piesacken, auch wenn die Wut auf ihn groß ist, sonst reißt das wieder ein.

    Deinem Vater imponieren zu wollen ist verschwendete Lebenszeit. Wenn Du etwas tust, mach es für Dich selbst oder für jemanden, der Deine Leistung zu würdigen weiß.
    Dass Du Dich mit Deinen Gedanken auseinandersetzt ist super. Verfolge das auf jeden Fall weiter, auch wenn es sehr unangenehm ist. Versuche es mit Abstand zu betrachten, das macht es etwas einfacher.
    Es ist auch wichtig über seine eigenen Erfolge und Fähigkeiten nachzudenken und sich bewusst zu machen, was die eigentlich wert sind. Selbst die vielen kleinen Dinge sind dabei wichtig!

    Nur Mut, Du hast es (alleine?) zur Chemielabortechnikerin gebracht und das ist mit Sicherheit nicht Deine einzige Qualität.
  • Hey. Also mein Dad war Junkie, meine Mom Richtung Narzisstin (hat uns ständig umziehen lassen wegen Männern, komme was wolle). Sehr bedürftig. Keine Rücksicht.

    Key für mich war / ist, auch wenn es eine andere Situation ist / war (aber genaue Paralellen zu ziehen wäre vl zu viel des Guten), die zwei alten Herren (bzw. die Dame) als Mensch zu sehen. Bei meinem Dad habe ich mit Anfang 20 gemerkt, das ich ihn geistig überhole - und bei meiner Mutter hat es um einiges länger gedauert, bis ich wirklich wirklich verstanden habe, das sie unfähig ist andere zu verstehen, weil sie selber noch ein bedürftiges Kind ist das selber noch "gesehen" werden will, und um sich schlägt wenn das nicht passiert (was ja nie passiert bzw. nie passieren wird, zumindest nicht in normalen Zwischenmenschlichen Beziehungen im Alter ü50, wo sie sich befindet).

    Meine Mutter halte ich fern, vor allem momentan (mache mich selbstständig und sie hat ihren Selbstwert nur auf mich projiziert, was unter anderem sehr weh getan hat weil man ja doch die Liebe und Unterstützung, wenigstens von den Eltern, braucht / will).

    Also Key war, bzw. woran ich stark arbeite, aber es geht sehr gut, war/ ist aufzuhören etwas zu suchen was mein kleines Ich gebraucht hätte, das zu Betrauern, und Verantwortung zu übernehmen. Sowohl für mich selber, das ich mir alles gebe was ich jetzt brauche (ich bin erwachsen), und aufhöre es zu suchen bei Elternteilen (vor allem wo ich sehe, das sie es selbst nicht geben können, bzw. es selber noch so unheimlich brauchen). Wenn ich die Energie habe, gebe ich es ihnen, aber momentan ist starker Abstand, vor allem um mich vor Geringschätzung zu schützen. Es gibt andere Personen die einem das geben können. Es gibt Bücher, mit weisen Menschen, die einem so etwas vermitteln können (was die Eltern nicht können). Alles was einen "Mann" ausmacht, habe ich mir selber beibringen müssen.

    Meine Mutter war ich letztes Jahr besuchen und da hat sie diese krasse Geringschätzung mir gegenüber geäußert, auch in Bezug zu meiner Selbstständigkeit, das hat so weh getan, ich habe sehr stark reingespürt, und gemerkt, und ihr direkt gesagt, was sie an mir geringschätzt ist ihr eigenes Versagen an sich selber (und das es ihre Schwäche ist, nicht über sich hinauszuwachsen und dem Kind Unbedingt das zu geben, habe ich ihr dann nicht gesagt). Jedenfalls halte ich momentan Abstand um meinen Selbstwert stabil und stark zu halten, das hat schon sehr tief geritzt (auch in die alten Wunden). Einmal habe ich ihr kurz was nettes geschrieben, dann hat es sich so angefühlt als würde ich ihr den kleinen Finger hinhalten und sie will die ganze Seele.

    Es ist kein Zuckerschlecken mit bedürftigen Eltern (unter anderem). Meine Schwester hat gar keinen Kontakt zu meinem Vater, und spricht mit meiner Mutter seit 10 Jahren nicht (jetzt nur ein wenig, denn sie hat Kinder und will ihnen die Oma wenigstens nicht vorenthalten) - allerdings hat sie die ersten 3 Jahre absoluten Funkkontakt zu ihr gehalten um die Kinder in der Frühentwicklung zu schützen.

    Als Kind (mit 8) war ich alleine durch die Stadt gefahren um meinen Vater (den ich sehr geliebt habe) zu besuchen, da hatte er gerade Heroinentzug und die Nacht durchgeschwitzt usw.

    Letztes Jahr hat er mich auch (wieder) im Stich gelassen - womöglich aus verschiedenen Gründen und auch persönlichen Hintergründen. Ich verstehe das sehr gut. Aber um Verständnis geht es nicht.

    Meine Vorgehensweise: Diese Menschen werden es nie verstehen. Und wenn Sie es verstehen, wird sich ihr leben, und sie sich selbst, grundlegend verändern (wollen).

    Das geht mich persönlich aber (unnett gesagt: einen Scheißdreck), und nett gesagt: nur so viel an, als das ich es im Heranwachsen gebraucht hätte. Meine Mutter ist sogar teilweise Eifersüchtig, weil ich besser geraten bin, als es vielleicht hätte sein sollen / dürfen, bei all dem, wo sie zu kurz kam (zb. in der Liebe, in der Selbstbestimmung, usw.).

    Also Philosophisch gesehen: die Eltern können über das Kind nicht hinauswachsen, vielleicht sollen sie das auch nicht. In so extremen Fällen, ist es Missbrauch, dem Kind Schuldgefühle für seinen eigenen Missbrauch einzureden oder zu vermitteln. KEIN KIND sollte verantwortlich für seine Eltern sein, oder sich schlecht fühlen für sie. Wir sind nicht im Mittelalter. Und das sie das Bedürfnis des Kindes, geliebt und anerkannt zu werden, so missbrauchen.

    Und was ich zb. bei deinem Vater herauslese, projiziert er seine eigenen Fehler auf dich, und lässt "dich" so fühlen, wie er "sich" fühlen sollte (aber es nicht kann weil zu viel Realisation/ Schmerz).

    Vor ein paar Jahren habe ich mich 12 Monate von meinem Vater ferngehalten, von meiner Mutter 6 Monate. Meinen Dad hätte ich zusammengeschlagen, meine Mutter erwürgt. Einmal wurde mir ein schlechtes Gewissen eingeredet, weil ich zu Weihnachten bei Freunden war. Dann meinte ich, in dem Ausmaß wie auf mich geschissen wird und dann zu Weihnachten auf Frohe Familie und mit Moral und Werten auf mich geschossen wird, was für eine Pflicht ich doch nicht hätte.. habe es viel direkter ausgedrückt und einfach einen Spiegel vorgehalten. Seitdem wird nur höflich gefragt, man freut sich wenn ich komme, und wenn ich Nein sage, die Herdplatte greifen sie nicht mehr so leicht an. Mit Wahrheit können Heuchler und schwache Menschen nicht umgehen. Heute, wenn ich die Kraft und Energie habe, sehe ich sie, sage ihnen, wenn es passt, das ich sie liebe, lebe aber mein eigenes Leben, und bin Dankbar für die kleinen Tropfen an Zuneigung, zu denen sie fähig sind. Aber die wahre Liebe kommt aus mir, meinem Handeln, dem Leben, und meinen Freunden und all den anderen lieben Menschen die mir im Leben begegnen.

    Sogesehen, die einzige Erwartung nun an meine Eltern ist, das sie mir den Arsch abgewischt haben, und mich nicht verhungern haben lassen, und so weiter, und aus Respekt (davor) - abgesehen von dem Notwendigen Maß an Direktheit und Ehrlichkeit das ich für MICH und meine Verarbeitung gebraucht habe, werde ich ihnen nichts mehr vorhalten. Denn im Endeffekt, will ich nicht das meine Verletzungen mein Verhalten prägen, denn, im Endeffekt, ist es genau das was sie zu diesen Menschen gemacht hat: ihre eigenen Verletzungen. Und das ist ihre Pflicht, und ihr eigenes Problem - zumindest jetzt wo ich, du, er , sie erwachsen ist... als Kind war es nicht nur ihres. Aber das ist ja jetzt gottseidank vorbei. Und wenn sie daran nix ändern, leiden sie selbst am meisten darunter.

    Einer meiner lieblings Autoren (wobei es viele gibt), sagte, das früher Gott für Liebe und Ordnung gesorgt hat, dann (bzw. in der heutigen Psychologie eher so gesehen), stand die Mutter für die Unbedingte Liebe, und der Vater für die Ordnung, Struktur und innere Integrität, die man für das Leben braucht. Und zusammen hat man alles was man braucht. Wenn man das nicht bekommt, ist das sehr sehr schädich für das Leben, und die einzige (oder zumindest eine) Möglichkeit, über die Eltern zu wachsen, ist, das zu betrauern, und sich selbst diese unbedingte Liebe, und sich selbst die Integrität und Struktur zu schaffen (zumindest als Mann sehr wichtig, für mich).

    Klar will man den Eltern gehorchen, um ihnen zu gefallen, um vielleicht noch einen Tropfen Liebe und Anerkennung zu bekommen. Aber wo nichts ist... Betrauern, Loslassen, und move on.

  • (war zu lange deshalb second post):
    Was ich bei deinem Vater herauslese, hat er entweder seine ganze Unfähigkeit auf dich projiziert (wie kann man einem Kind vorwerfen, das es schuld sei? An irgendetwas?), und/oder er hat selbst so schlechte Erfahrungen unter anderem mit in seiner Kindheit, seiner Mutter, Frauen / Liebe an sich, das er generell so gegenüber Menschen, Kindern, Frauen empfindet und projiziert.

    Mein Familienhaus ist quasi so: Väterlicherseits Gewalt und Missbrauch (Oma vergewaltigt seit der Kindheit usw), Mütterlicherseits Alkoholiker und Gewalt. NIEMAND, wirklich NIEMAND in meiner Familie ist ein annähernd gutes männliches Vorbild, und NIEMAND in meiner Familie hat irgendeine gute Erfahrung mit Männern gemacht.

    Das hat im Endeffekt dazu geführt das, wenn ich, ich sage mal ganz kokett, "männliche Qualitäten" an den Tag lege - Selbstbewusstsein, determination, Führungskraft, Entschlossenheit, Tatenkraft, Verantwortung (im Guten Sinne) - aufgezogen von nur Frauen und dem abwesenden Junkie-Dad, der also defakto kaum zählt - das war für mich nur eine Umgebung in der Frauen Angst vor dieser Energie hatten. Ich konnte erst anfangen, das zu leben oder zu zeigen, wie ich laaange draußen war aus der Familie, und erst jetzt, Jahre später, habe ich verstanden, was genau auch in diesem Bezug so schwierig war, und warum sie immer so krass reagierten, und warum sie NIE NIE NIE mich oder das in mir fördern konnten, so dass ich zu einer reifen Persönlichkeit heranwachsen konnte, und warum sie es sogar schlecht geredet, zerfetzt, psychologisch demontiert hatten: ihre eigenen Erfahrungen und Ängste (mit falscher) Männlichkeit, und gleichzeitig haben Sie dadurch NIE gelernt, WIRKLICH WIRKLICH nährend als Frauen, liebend einzuwirken. Also sehr toxisches weibliches getue (um mal den modernen Sprachgebrauch zu benutzen). Also: Mann immer schön klein halten, und die eigene Liebe zurückhalten.

    Hätte ich deinen Vater als Vater, gäbe es Blut. Sieh dir den Film "Härte" an, wenn du magst, den findest du auf Google, wenn du "stream deutsch Härte" suchst... eine Doku mit Filmbegleitung, vom Andi, wahre Geschichte, krasseste Kindheit, wie er sie erlebt hat, und was er daraus gemacht hat. Und wie es im Film dargestellt ist, ist meiner Meinung nach die einzig wirkliche Art und Weise, seinen Eltern nach Missbrauch zu begegnen. (Auch wenn sein Lebensweg krass war, aber die Attitüde zu seinen Eltern war die Richtige). Von der Mutter sexuell missbraucht seit er 8 war oder so bis 13/14, und der Vater wollte ihn umbringen zwei mal als Kind. Und als erwachsener ist er zu seiner Mutter und hat ihr gesagt (zusammengefasst): "Was du gemacht hast war dein Versagen. Dein Versagen. Nicht das von Oma, nicht das von Opa, es war Dein Versagen."

    Und so sehe ich das auch. Und so behandle ich mich selbst auch im Umgang mit anderen Menschen.

    beste Grüße und du wirst bestimmt top aus der Situation (heraus)erwachsen. Kleine Rückschläge gibt es immer, aber einfach immer genauer hingucken :) GLG
  • @TBn Danke für deine Antwort, ich bin seit dem Vorfall sehr auf Distanz und habe seit dem nicht mit ihm geredet, sondern nur ab und zu mit meiner Mutter telefoniert.
    Meine Logik sagt mir „lass dich nicht von ihm fertig machen“, das Herz sehnt sich nach Harmonie, aber die kann man mit ihm nur dann haben, wenn alles nach seiner Pfeife tanzt, und selbst da kann es dann noch passieren, dass man wegen Sachen beschuldigt wird, wo man nichts dafür kann oder die ewig her sind.
    Nächste Woche habe ich Geburtstag, da habe ich die beiden eingeladen weil ich gerne meine Mutter wiedermal sehen möchte. Dadurch dass sie zu mir kommen, fühle ich mich auch ein bisschen wohler, weil es meine Wohnung ist und er darin nichts zu melden hat.
    Dadurch dass sich er von sich selbst aus kein einziges Mal gemeldet habe, hab ich auch wieder Mal realisiert, wie unwichtig ihn der Kontakt überhaupt ist. Früher hab ich öfter Mal mit ihm telefoniert, aber von sich selbst aus ruft er mich garnicht mehr an.
    Er wird sich nicht mehr ändern und ich muss lernen, dass ich künftig anders damit umgeh. Mir Beleidigungen nicht mehr so zu Herzen nehme und sofort Konsequenzen ziehe, wenn er wiedermal meine Grenzen überschreitet. Respekt hat er sowieso keinen vor uns, daher ist es wirklich verschwendete Zeit. Ich bin halt wirklich äußerst harmoniebedürftig und obwohl ich weiß, dass ER derjenige ist, der sich schämen sollte, habe ICH ein schlechtes Gewissen. Und kämpfe Tag für Tag mit meinem niedrigen Selbstbewusstsein – hab aber angefangen, dass ich ernsthaft daran arbeite.
    Zu meiner Mutter hat er anscheinend vor kurzem gesagt, dass er, nach dem wir uns das letzte Mal gesehen haben, nachgedacht hat und es ihm Leid tut dass er mich geschlagen hat und das nicht so meinte, als er sagte ich hätte jede einzelne Tracht Prügel verdient. Ich freue mich zwar, dass es ihm Leid tut, andererseits schafft er es nichtmal, es mir persönlich zu sagen.
    Ja die Ausbildung hab ich ohne Hilfe der Eltern geschafft – es hat nur mein Freund sehr oft darunter gelitten wenn mich die angewandte Mathematik wiedermal zu sehr gefordert hat :D
    Ich weiß das eigentlich eh, dass ich viele gute Qualitäten habe, nur bin ich zu mir selbst viel zu streng und halte mir dauernd die negativen Sachen vor. Und wenn Mal alles gut läuft und jeder nett zu mir ist, dann fühlt sich das richtig komisch an obwohl es etwas wäre, das ich genießen sollte.
  • @domsi
    Vielen lieben Dank für deine Einblicke, das zu lesen hat mich einerseits sehr traurig gemacht, weil ich sehr gut nachvollziehen kann, wie du dich fühltest/fühlst und andererseits weiß man, dass (obwohl so ein Verhalten der Eltern nicht normal ist) man nicht der Einzige ist der damit kämpft.

    Ich versuche momentan sehr stark an meinen Gedankenmustern zu arbeiten und etwas unsensibler zu werden, ertappe mich halt dauernd dabei dass dann meine Emotionen doch wieder stärker sind als meine Vorsätze. Würde es sich bei dem Verhalten meines Vaters nicht um den Vater handeln, sondern zB um den Lebensgefährten, hätte ich ihn schon längst in den Wind geschossen. Irgendwie hat er es in meiner Kindheit geschafft, dass ich trotz dauernder negativer Erfahrungen trotzdem sehr daran hänge und mir viel daran liegt, nicht respektlos zu sein und dankbar zu sein dass die Eltern einen großgezogen haben. Ich weiß dass dieser Gedanke falsch ist, weil ich nicht darum gebeten habe, dass sie mich zeugen und großziehen. Es ist nur irrsinnig schwierig, Muster, die einem 30 Jahre lang eingetrichtert wurden zu ändern.

    Dass du in deiner Situation damals zu Weihnachten lieber bei Freunden warst, als bei der Familie ist völlig nachvollziehbar. Bei mir ist es auch so, dass ich von Freunden viel mehr Wertschätzung erfahre, als vom Vater. Meine Mutter sagt mir schon ständig, dass sie stolz auf mich ist, und ich viel geschafft habe. Dass sie so froh ist, dass ich einen guten Job habe und auf eigenen Füßen stehe.

    Du schreibst, dass du deinen Eltern nichts mehr vorhalten wirst weil du nicht willst dass deine Verletzungen dein Verhalten prägen. Schaffst du das auch immer? Denn ich hätte mir genau das schon so oft vorgenommen. Weil ich mich mit solchen Vorwürfen ja selbst viel mehr verletze, als ihn. Dieses selbstverletzende Verhalten von mir würde ich echt gerne abschalten, schaffe es aber kaum, meine Gedanken zu kontrollieren. Ich hätte alle Voraussetzungen dazu, mein jetziges Leben zu genießen. Im Job läuft alles gut, ich hab keine finanziellen Probleme, hab so viele Freiheiten und trotzdem stehe ich mir selbst im Weg und blockiere mich.
    Wenn einem die ganze Kindheit lang von einem der ersten Menschen, die einen lieben, eingetrichtert wird, dass man unwichtig ist, es zu nichts bringen wird, immer nur das negative gesagt wird. Irgendwann glaubt man es dann selbst, obwohl man eigentlich wüsste, dass das nicht so ist. Erst hab ich einen Satz gelesen, mit dem ich mich sofort identifizieren konnte: Aus Kindern die nichts dürfen werden Erwachsene, die sich nichts trauen. Ich zweifle so oft an mir selbst, obwohl ich fast alles was ich mir vornehme schaffe. Hab die Chemiker Ausbildung mit Auszeichnung abgeschlossen, obwohl ich als Kind schon Schwierigkeiten in Mathe habe und er nicht dachte, dass ich das wirklich durchziehe. Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass das nichts Wert ist, obwohl es sehrwohl viel Wert ist.

    Irgendwie ist es ja auch doof, sich nach Anerkennung/Wertschätzung von jemandem zu sehnen, wo man ganz genau weiß, dass dieser Mensch so verbittert ist, dass sowas nicht passieren wird. Vielleich ein unterbewusstes Bedürfnis, sich etwas zu holen, das man in der Kindheit nicht bekommen hat. Obwohl es so viel mehr Sinn machen würde, einfach sein Leben zu leben und darauf zu scheißen was er denkt/sagt.

    Das was du mir erzählst mit eurem Familienbild (aufgezogen von nur Frauen und den daraus resultierenden Schwierigkeiten für dich) erinnert mich ein bisschen an unsere Familie. Also der Teil, wo ein Geschlecht einfach unterdrückt wird. Ich hab erst vor Kurzem mit meinem Cousin über das Elternhaus meines Vaters gesprochen. Mein Opa war äußerst dominant (war auch in seinem Elternhaus so), die Oma hatte nichts zu melden, musste neben dem Vollzeitjob den Haushalt ganz alleine machen und ihr wurde immer die Schuld an allem gegeben. Wichtige Entscheidungen wurden vom Opa getroffen bzw. später von meinem Vater, da er das älteste der 3 Kinder war. Der hatte damals also schon mehr zuhause zu sagen als seine Mutter und hat quasi von klein auf gelernt, dass es normal ist, so mit Frauen umzugehen. So veraltete Denkweisen wie zB dass die Frau nur dazu gut ist, um den Haushalt zu machen und wenn der Mann nach Hause kommt muss das Essen auf dem Tisch stehen, sonst gibt’s Schläge. Sehr traurig das Ganze.

    Die selben „Werte“ werden dann an die nächste Generation weitergegeben. Eine gute Vater-Tochter-Beziehung hätte so vieles retten können. Der Vater sollte der erste Mann sein, der einen bedingungslos liebt. Bei mir war das der Halbbruder, der um 18 Jahre älter ist als ich und bereits ausgezogen war als ich zur Welt kam.
    Ich habe durch das Verhalten meines Vaters während meinen ersten Erfahrungen mit Männern sehr viel erst lernen müssen. War lange beziehungsunfähig, hab mich oft erschreckt wenn mich ein Mann berührt hat, ohne vorher was zu sagen. Und ich musste lernen, zu vertrauen. Meine ersten Beziehungsversuche gingen alle schief und Schuld daran waren nicht die Männer sondern meine Unfähigkeit, Liebe zuzulassen. Ich musste erst lernen, dass es NICHT normal ist, sich gegenseitig dauernd zu kontrollieren. Aus heutiger Sicht muss das für meinen damaligen Freund sehr verstörend gewesen sein und ich bin froh, dass ich diesbezüglich gewaltige Fortschritte gemacht habe. Ich konnte damit einfach nicht umgehen, dass ich – anders als meine Mutter in ihrer Ehe – Freiheiten habe. Ich habe damals zum Beispiel meinen Freund um Erlaubnis gefragt ob ich nach der Arbeit noch schnell was einkaufen kann oder ob ich gleich nach Hause kommen soll. Hat eine Weile gedauert, mich daran zu gewöhnen, dass das nichts ist, wo ich um Erlaubnis fragen muss.

    Und ich bin es immer noch so gewohnt, mich wegen ALLEM rechtfertigen zu müssen obwohl ich das inzwischen nicht mehr muss. Da ist so viel schief gelaufen in meiner Erziehung dass ich vieles erst jetzt als Erwachsene bemerke, wie krank das alles teilweise war. Für mich war das alles ganz normal, dass man geschlagen wird wenn die Schulleistung nicht passt oder dass man mit Hausarrest bestraft wird wenn man sich beim Spielen im Garten die Hose schmutzig gemacht hat.

    Dieses toxische weibliche Getue von dem du redest ist wohl wirklich das Pendant zu meiner Erfahrung. Mein Ex wurde ausschließlich von seiner Mutter/Großmutter und Babysitterin aufgezogen, hatte nie ein männliches Vorbild. Ich habe ihn als Traummann wahrgenommen, er hat so viele Sachen gemacht, von der jede Frau nur träumen kann. Mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen und immer zuerst auf mich als auf sich geschaut. Das war natürlich sehr schön für mich, aber rückblickend sieht man da bei ihm auch, dass er ausschließlich von Frauen auf das hinerzogen worden ist, was Frauen wollen. Er hatte auch extreme Probleme mit dem Selbstwertgefühl und immer nach Bestätigung bei Frauen gesucht.

    Den Film werde ich mir suchen, danke für den Tipp =) Ja ich hoffe ja doch sehr stark, dass sich die Situation bessert. Es ist viel „Arbeit“ wenn man dauernd einer Gehirnwäsche unterzogen wurde, und eine heftige Umstellung. Quasi alles was man als Kind vermittelt bekommen hat, ist falsch. Ich hab teilweise ein schlechtes Gewissen wenn ich mir was schönes kaufe, obwohl ich es mir locker leisten kann. Das sind so tiefsitzende Dinge, und ich kann mir da selbst ganz schön auf die Nerven gehen.

    Darf ich fragen wie es dir jetzt generell als Erwachsener mit der Situation geht? Deiner Schilderung zufolge war ja deine Kindheit auch extrem hart und sowas hinterlässt ja auch gewaltige Spuren. Holt dich das noch sehr oft ein oder ist es mittlerweile in einem Rahmen, wo man trotzdem halbwegs normal weitermachen kann? Du klingst, als könntest du viel besser damit umgehen, dass man es eben akzeptieren muss, dass es keinen Sinn hat, den Eltern gefallen zu wollen und Kontakt zu suchen, wenn man behandelt wird wie Dreck. Bei mir ist das immer so ein Auf und Ab.
  • edited Juni 2022
    "Ich versuche momentan sehr stark an meinen Gedankenmustern zu arbeiten und etwas unsensibler zu werden, ertappe mich halt dauernd dabei dass dann meine Emotionen doch wieder stärker sind als meine Vorsätze."

    Ich denke die Kraft steckt nicht in der Unsensibilität sondern in der Sensibilisierung. Ich persönlich spüre alles, auch was meine Eltern betrifft, wie sie sich fühlen (stets) wenn ich z.B. Grenzen ziehe. Es ist kein desensibilisieren, sondern ein "obwohl" oder "trotz", oder "gerade wegen/weil" ich das spüre. Die Gewalt, die Bedürftigkeit, den Vorwurf, das Sehnen... das spüre ich alles wenn ich Grenzen setze.

    "Du schreibst, dass du deinen Eltern nichts mehr vorhalten wirst weil du nicht willst dass deine Verletzungen dein Verhalten prägen. Schaffst du das auch immer?"

    Das Ausmaß des Vorwurfs ist equivalent zu dem Ausmaß wo ich es noch bestimmend für mein Verhalten betrachte oder empfinde. Durch Loslösung werde ich frei (auch davon).

    "Irgendwie ist es ja auch doof, sich nach Anerkennung/Wertschätzung von jemandem zu sehnen, wo man ganz genau weiß, dass dieser Mensch so verbittert ist, dass sowas nicht passieren wird. Vielleich ein unterbewusstes Bedürfnis, sich etwas zu holen, das man in der Kindheit nicht bekommen hat. Obwohl es so viel mehr Sinn machen würde, einfach sein Leben zu leben und darauf zu scheißen was er denkt/sagt."

    Ich denke beides ist gut. Aber Ratio darf die Emotio nicht rationalisieren... "sie konnten ja nicht besser", "es ging ihnen auch nicht so gut in der Kindheit". Ist aber egal: ich fühle mich verletzt, wütend. Das drücke ich aus, verarbeite ich, dann erst kann Ratio wahrlich seinen Platz einnehmen, ansonsten wird Emotio zu Ratio (weil sie die Gedankengänge noch nähren, mit Sehnsucht und so weiter). Ratio und Emotio so zu trennen, ist ein Produkt der Neuzeit, das ist aber genauso wenig möglich wie Körper von Psyche zu trennen. Deshalb.. ich spüre die Kindlichen Bedürfnisse und den Schmerz, das sie nicht erfüllt worden waren, und die Wut, das es so war. Keine Ratio(nalisierung) der Welt nimmt mir das. Das ist (meine) Wahrheit. Genauso subjektiv und wahr.

    Was mir hilft ist: Mit dem Herzen denken, mit dem Kopf fühlen.

    --> Mein Kopf sagt mir: das wird nichts mehr. Also fühle ich so, und erwarte mir nicht, das sie noch (im Nachhinein, jetzt, als Erwachsener erfüllt werden). Wenn sich ein Wandel eintut, irgendwann, freue ich mich. Vorallem für die Person (meine Mutter oder Vater). --> mein Fühlen richtet sich nach meinen rationalen Erkenntnissen
    --> mein Herz sagt mir, ganz logisch, das wird nichts. Weil die Emotionalen Konflikte in diesen Menschen, nicht in meiner Hand liegen, deshalb öffnet es sich nicht ständig diesen Menschen, aus rein logischer Sicht: ich erwarte mir nichts, was in der Vergangenheit nicht schon 1000 mal nicht eingetroffen ist. Wenn du weißt was ich meine. Ich weiß, womit ich es zu tun habe.

    "Und ich bin es immer noch so gewohnt, mich wegen ALLEM rechtfertigen zu müssen obwohl ich das inzwischen nicht mehr muss"

    Ich bin es gewohnt, sehr ausschweifend zu sprechen / schreiben, weil ich es gewohnt war, nie verstanden zu werden - wobei ich doch immer recht hatte mit den Konsequenzen (oft Jahre im Vorhinein).

    "Darf ich fragen wie es dir jetzt generell als Erwachsener mit der Situation geht?"

    Meine Ex-Situation war ähnlich wie mit deinem Ex. Ich kann Bedürfnisse von den Lippen lesen. Der Unterschied war dass ich meine Grenzen kenne, aber oft die Ängste und Bedürfnisse so stark spüre, das es mir nicht immer leicht fiel, sie bei "tiefsitzenden Ängsten" und so weiter, auch absolut in die Tat umzusetzen (wo es doch das einzig richtige gewesen wäre). Und dann auch, in dieser Dynamik, meine eigene Angst jemanden zu verletzen und zu hart zu sein (weil meine Mutter wie ein Zug war, der über alle drübergefahren ist, immer), und nicht genug zu lieben; bzw. meine eigene Angst vor Zurückweisung, wenn ich diese Grenzen zu hart setze (Selbstliebe hallo). Also es (war) ein Wandeln zwischen den Polen. In den Beziehungen. Und ganz ehrlich, bei früheren Beziehungen, habe ich gleich gewusst wo es passt und wo nicht, Anfangs (so wie ich das als Kind oft gespürt habe), und jetzt, liegt es nur noch an mir, meinen Einsichten da 100% Folge zu leisten. Und da war es gut ein Prozess, zu spüren/schauen, was genau mich dabei gehemmt hat, dem Folge zu leisten (und meine Mutter hat mir immer das Gegenteil eingeredet und es wegrationalisiert, bis dann das Ergebnis, der Scherbenhaufen, vor ihr lag - den sie immer noch verleugnet). Und die Hemmung ist/war, einerseits zu überleben, und damit verbunden auch meiner Mutter zu "genügen", ihre Bedürfnisse und damit meine (existenziellen) Bedürfnisse auch zu sichern. Also mich dabei zu Hemmen - in Handlung, Einsicht.. Wort, Schrift und Tat (lol). Da haben mich dann jetzt im Erwachsenensein, ehrlich gesagt, die Ängstlichkeiten und Bedürftigkeiten, die ich ja spüre, oft gehemmt, das Richtige zu tun. Das habe ich (teilweise) noch mit Freunden, zieht auch sehr unangenehme Menschen an. Die Angst auch, "im Stich" zu lassen.

    Pragmatisch lasse ich keinen im Stich. Wie am Anfang geschrieben, spüre ich das bei meinen Eltern sehr, wenn ich wie jetzt z.B. einfach viel zu tun habe und für mich lebe und meine Ziele verfolge. Meine Güte. Genaugenommen verhalten und empfinden Sie sich wie Kinder. Fühlen sich vom Kind im Stich gelassen aber können selbst den Stich nicht zurückhalten den Sie immer noch anrichten durch fehlende Empathie, Liebe und so weiter. Das ist quasi, mein Spagat. Aber in dem Ausmaß, wo ich heranreife, und mit mir selbst kein Selbstmitleid sondern nur Verantwortung empfinde, vermindert sich auch das Ausmaß an Mitleid mit anderen (oder ihnen), und die Erwartung von Verantwortung (und das Ihnen Zugestehen), wächst damit - und damit auch wird weniger meine Geduld. Was auf mich projiziert wird ist das was sie in sich selbst nicht gelöst haben (und umgekehrt - was ich mir nicht gebe oder noch nicht gegeben habe, ist die Wut ihnen gegenüber, der Vorwurf usw.). Wie ein Freund von mir sagen würde "Puh, Ekelhaft. Widerlich. Erbärmlich. " - das zu sehen, es zu bewerten, um dann (neue) Handlungen zu setzen. Auch mir selbst gegenüber.

    Mein größter Wink im Leben ist daher, Menschen nicht retten zu wollen (um mich, anhand der Kindheit, dadurch, selber zu retten - als unbewusster Versuch). Stattdessen rette ich mich selbst. Natürlich ist es kein Retten sondern ein "darüber-hinaus", so wie du schon selbstständig bist, und alles passt. Aber ich zerreiße diesen Spalt, und will, dass sich die Welt danach richtet. Auch meine Familie wird sich danach richten, weil sie es muss. Fange ich an, es nicht zu tun, werde ich mit dem "Familienkarma" beworfen, und den Müll kann ich mir sparen; stattdessen versuche ich neue Richtlinien zu kreieren, die nicht all zu sehr auf Gegenreaktion darauf beruhen. Wenn ich meine Mutter nicht ertrage und es tut mir nicht gut, sehe ich, "okay, was in ihr kann ich nicht akzeptieren" - und versuche es in mir selbst zu lösen. Wenn sie mir zu schwer fällt, sage ich ihr das ganz lieb, und gehe. Vielleicht kann ich sie irgendwann so nehmen wie sie ist. Aber wenn es bisher kein Mann geschafft hat, ich sehe keinen Grund, mich an jemanden zu binden, nur weil er mich entbunden hat. Ich bin ein freier Mensch. Ich kann mir etwas erwarten.

    Eine lustige Geschichte:

    Seit zwei Jahren, am Knotenpunkt in der Stadt, wo ich immer vorbeikommen, ist dort eine Drogensüchtige die immer rumläuft und Leute nach Geld fragt. Egal wo ich bin, ich ziehe die wie ein Magnet an. Die fragt nicht immer jeden, aber mich IMMER: Und nach 10 mal "nein" sagen, kam sie zum 11. mal an einem Tag, und ich war so zu ihr: "Guck mal. Ich habe dir schon 10 mal nein gesagt, und ich habe dir schon 2 mal gesagt das ich dir 3 mal nein gesagt habe."... das ihre ganze Fassade von Lieb und Respekt nur Ausnutzen ist... und sobald ich ihr das sage das ich nicht will sie anfängt zu fluchen, mir vielleicht ins Gesicht spuckt. Vor allem wenn ich ihr zu spüren gegeben habe, das sie mich belügt, und einfach Drogen kauft. Ich schwöre, ich hatte so oft den Impuls, sie anzuschreien, und zu sagen: "Ey guck mal mein Dad war ein Junkie, ich kenne diesen Schmerz, aber es gibt keine Rechtfertigung dafür das du rumläufst und dich selbst zerstörst. Ich verachte das was du bist weil ich das in mir verachte." Habe ich natürlich nicht gemacht, aber jedes mal wenn sie wieder kam habe ich tiefer reingeguckt, was es ist, das da anscheinend Polarität schafft.


    Natürlich spüre ich das Leiden. Aber bemerkenswert war, das ich irgendwann beschlossen habe, mit mir kein Selbstmitleid mehr zu haben, und ich verlange Ehrlichkeit . Und dann irgendwann war ich dort und habe gewartet auf den Zug, dann kam Sie, hat mich wohl gespürt, wollte schon her, und war aber wie von einer unsichtbaren Wand abgehalten - hat irgendwie in sich gearbeitet oder kontempliert, kam zu mir und sagte die Worte (das wohl ehrlichste das Sie jemals von sich gegeben hat, ohne es zu bewerten): "Hallo ich bin Suchtkrank und brauche Geld."

    Nicht das sie sich an mich erinnert hätte, die war auch in einer Millisekunde verschwunden nachdem ich Nein gesagt hatte, weil ich für mich in mir geklärt habe, ein Nein bedeutet Nein, und wer es ab jetzt nicht akzeptiert.. es ist Absolut. und vorher war das nicht so klar, da haben wir immer diskutiert oder ich auch mit anderen diskutieren, mich rechtfertigen müssen. Jetzt gibt es das nicht mehr.

  • edited Juni 2022
    Und das ist mit Freunden - und so weiter - mittlerweile auch so und viel besser, viel mehr Klarheit, und so weiter. Und die Ironie einfach als Geschichte, das hat sich so als Muster im Alltag, auch im Entwicklungsprozess so gezeigt. Mitleid, Erbarmen, Verantwortung. hat natürlich meine Vaterthematik auch gespiegelt, und alles was da in mir noch so ist/war.


    Also unterm Strich: Ich erwarte Verantwortung und Ehrlichkeit mit sich selbst, und wo es das nicht gibt, Spiegel ich das zurück. Aber ich versuche das nicht bewusst zu tun, sondern es selbst zu verkörpern, dann "ist es einfach so". Das hält sie von alleine von mir fern (auch die Eltern). Dazwischen stand mein eigener Wunsch nach Anerkennung und Liebe (unerfüllte Bedürfnisse). Und die Basis für all dies ist mein eigenes Handeln (und nicht, wie so oft, die Erwartung an andere, das sie sich doch gerne ändern würden).

    Die Bekannten/Freunde im Freundeskreis, die damit nicht konform gehen oder mitwachsen, sind in den letzten 2 Jahren von mir weggeprallt (entweder sie sich selbst von mir weg oder wir uns). Die anderen noch näher, und ein neuer dazu gekommen (etwas jünger, im selben Prozess, konnten das zusammen erörtern und "er-wachsen").

    Und die die ich nicht beendet habe, wobei das Gefühl eindeutig in diese Richtung ging, das war sehr viel tiefer Schmerz (den hat es wohl gebraucht) - wäre aber gänzlich zu vermeiden gewesen. Wäre diese Klarheit vorhin auch in die Tat umgesetzt geworden..

    Jo, status quo.


    edit: auch lustig, hat mir ein Freund letztens gesagt: "Die Wahrheit ist wie Metall, hart und unbiegsam - manche Leute gehen dagegen mit Säure vor... nimm dich in Acht."

    Also ich versuche gar nicht mehr, Lösungen dort zu platzieren, wo sie nicht erwünscht sind. Ich denke, ein glückliches Leben zu führen, ist das Beste, was man entgegenzusetzen hat.

    "Eine Stimmung der Gelöstheit, nicht aber der Rücksichtslosigkeit; eine Stimmung der Anteilnahme, nicht aber der Selbstaufgabe."
  • Hey, ich finde deine Denkansätze wirklich gut – danke dass du sie mit mir geteilt hast. Ich bin seit einiger Zeit in einem Prozess, wo ich mich immer wieder weiterentwickeln möchte – also nicht nur oberflächlich sondern mir zuliebe auch im Inneren. Damit ich mir selbst gut tun kann und irgendwann endlich glücklich damit sein kann, so wie ich bin.
    Und vielleicht war es wirklich von mir falsch zu denken, dass ich weniger sensibel sein sollte. Ich bin halt nunmal sensibel (zwar nicht gerne, aber ist halt so) und wahrscheinlich komme ich besser mir mir klar, wenn ich nicht weiter versuche, Dinge an mir abprallen zu lassen. Sondern zu sagen „ja ich bin sensibel, mich hat dieses oder jenes Verhalten von dir mehr verletzt, als es vielleicht jemand anderen verletzt hätte und ich habe das Recht, das als Grenze zu setzen und meine Konsequenzen daraus zu ziehen“.
    Für Leute, die sich mir gegenüber respektvoll verhalten, sind die Grenzen nicht so eng, aber Personen wie mein Vater sollten nicht mehr die Macht haben, mich mit ihren Handlungen/Worten in den Wahnsinn zu treiben und mich zu verletzen. Passiert das nicht mehr, geht das wahrscheinlich dann auch besser voran mit dem gesteigerten Selbstwertgefühl.
    Es ist halt wirklich schwer, sich zu lösen aber für meine Person auf jeden Fall gesünder als ewig lange seinem manipulativem Verhalten ausgesetzt zu sein.
    Das mit dem ausschweifenden Sprechen und Schreiben kenne ich zum Teil, also vor allem wenn ich mit meinem Partner rede/schreibe – ich hab das nur bisher nie in Verbindung mit dem nie verstanden werden gebracht. Ergibt Sinn.
    Ich konnte auf jeden Fall einiges aus deinen Ratschlägen/Erzählungen mitnehmen und versuchen, damit weiter an mir zu arbeiten.
  • Gerne. :) Lass dir deine Suppe nicht versalzen, essen musst sie selber. ;D
  • @Fjara
    Wenn Du über Deinen Vater erzählst, kommt mir unweigerlich meine Mutter in den Sinn. Sie hatte eine Fehlertolleranz von 0 und da hat es oft was gesetzt.
    Ich kann mich erinnern, dass ich ihr lange Zeit beweisen wollte, was sie an mir verloren hat, nachdem ich den Kontakt zu ihr abgebrochen habe. Ich bin dann auch auf die Reise der "Selbstverbesserung" gegangen, so wie Du jetzt und habe nach kurzer Zeit festgestellt, dass dieses "ich schaffe etwas Tolles, um dich damit zu bestrafen" nicht zielführend ist. Der Grund, warum man es macht ist falsch.
    Ich habe mir ausgemalt, wie ich dann als Top-Sportler in den Nachrichten zu sehen bin und ihr so richtig reinwürge, was sie für eine Rabenmutter ist und wie nutzlos sie war.
    Jetzt gibt's damit aber 3 erhebliche Probleme:
    1. Ich müsste genauso ein narzistisches Arschloch sein wie sie und damit verrate ich meine Ideale und zerstöre mich selbst. Geht also nicht.
    2. Ich müsste all meine Freizeit darauf fixieren und alles andere bleibt auf der Strecke. Keine Freunde, keine Beziehung, keine Liebe.
    3. Meine Mutter ist sehr gut darin die Dinge zu verdrehen und stellt sich als Diejenige hin, die durch ihre Strenge das erst möglich gemacht hat und lässt meinen ganzen Aufwand mit geringstem Aufwand einfach verpuffen und stellt mich obendrein noch als das zörnige Kind hin, das ich in der Situation sogar wäre.

    Ich habe dann umgelenkt und mache meinen Sport für mich und investiere genau so viel Zeit wie ich für richtig halte und es für die aktualle Situation passt. Das tut gut, gibt Unabhängigkeit und nach einiger Zeit verfliegt auch der Wunsch nach Rache und es erwächst Stärke daraus. So gestaltet man sein Leben und merkt, wie man selbst seine Lebensumstände anpassen kann. Das alles ist jetzt so in den vergangenen 3 Jahren passiert und ich habe mich inzwischen ein gutes Stück von dieser extremen Introvertiertheit wegbewegt. Die Vorträge von Jordan B. Peterson (vermutlich aus seiner Zeit als lehrender Professor) haben mir enorm geholfen meinen eigenen Wert einzuschätzen, Zusammenhänge zu verstehen und meinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Ich denke das ist noch alles auf YouTube zu finden.

    Für meine Mutter habe ich inzwischen nur Geringschätzung und Mitleid übrig. Sie selbst ist von ihren Eltern schlecht behandelt worden und weiss deshalb, wie schlecht das für das Kind ist. Es gibt einfach keine Ausrede dafür, wenn man sein Kind dann auch wie Dreck behandelt. Die finanzielle Situation z.B. mag vieles nicht hergeben, aber das hat nichts damit zu tun, wie man mit jemandem umgeht. Wenn ich sie sehe, sehe ich nur Schwäche und Unvermögen und da ich in jeder Hinsicht unabhängig von ihr bin, hat sie auch keinerlei Macht über mich.
  • Hey @TBn

    Ich finde deine Ansichten spannend, denn ich bin zu den selben (fast wörtlich selben) Einsichten gekommen. Hast du / ihr noch Kontakt, und wenn ja, wie sieht der aus?

    Falls nein, hast du das Kommuniziert? Wie?

    LG
  • @TBn

    Lieben Dank für deine Antwort =)
    Ich merke momentan immer mehr, wie gut mir der physische Abstand eigentlich tut.
    Natürlich wird das Ganze nun von seiner Seite her so gedreht, dass ich die undankbare Tochter bin, die nichts zu schätzen weiß. Erst hat er mir vorgeworfen, dass er mich gewickelt hat als ich noch klein war und ich ihm so viel Geld gekostet habe mit den ganzen Schulausflügen und ihm 16 Jahre lang auf der Tasche lag. Und als Dank dafür wende ich mich nun von ihm ab. Ähm ja, danke dafür, dass ihr euer Kind nicht in Fäkalien ersticken lassen habt und nicht verhungern lassen habt?
    Und obwohl ich mir vorgenommen habe, mich über solche manipulativen Aussagen nicht mehr zu ärgern, regt mich sowas trotzdem auf. Auch wenn ich weiß, dass Aufregung nix bringt. Er wird sich nicht mehr ändern und ich tu mir keinen Gefallen, wenn ich mich über sowas ärgere.
    Er kommt mir nach wie vor damit, dass nicht ER das Problem ist, sondern ich. Wenn er zu mir nicht immer so gewesen wäre, dann wäre aus mir nichts geworden.
    Meine Introvertiertheit ist eigentlich in den letzten Jahren immer mehr geworden. Hängt glaube ich auch viel mit dem ganzen Dauerstress zusammen. Vollzeitjob, wo man den ganzen Tag unter Kollegen ist (wäre mir eigentlich schon genug soziale Interaktion), am Abend und an den Wochenenden wird halt versucht, irgendwie alles andere unter einen Hut zu bringen. Haushalt, Beziehung, Termine, Freunde, Familie, Hobbies, Sport, ausreichend Schlaf, Zeit für mich selbst. Irgendwas bleibt immer auf der Strecke und dann bin ich oft so ausgelaugt, dass ich einfach keine Lust mehr habe, noch jemanden zu sehen und lieber für mich allein bin.
    Also sich ein Stück von der Introvertiertheit weg zu bewegen wie du sagst, ist in meinem Fall glaube ich garnicht so zielführend. Ich weiß auch nicht…
    Ich war letztes Wochenende mit einigen sehr extrovertierten Bekannten unterwegs und war einfach nur dauergenervt. So viel Gerede, ohne wirklich was zu sagen. Jeder wurde immer lauter als der andere. Alle unterbrechen sich gegenseitig und irgendwann wird man gefragt, warum man denn so still ist. Hab dann drauf geantwortet „weil ihr einem keine Gelegenheit gebt, mitzureden, ohne dass man euch unhöflich ins Wort fällt“.. Ich konnte nichtmal den Satz zu Ende reden, wurde schon wieder über was anderes geredet. Da hab ich mit mir alleine mehr Spaß.
    Zurück zum Thema: Ich finde es einfach nur dumm, wenn Menschen andere Menschen schlecht behandeln, und dann mit dem „Argument“ kommen, dass es ihnen ja selbst auch nicht besser ging. Deshalb hat es bei mir denke ich auch keinen Sinn mehr, mit den Eltern über respektvollen Umgang zu diskutieren. Ich höre dann immer nur sowas wie „Du hättest sehen sollen wie es uns damals ging! Wir hatten nicht so tolle Spielsachen und sind noch viel öfter geschlagen worden als du! Und trotzdem haben wir es überlebt, aber eure Generation kennt einfach keine Härte mehr. Ihr seid doch alles verweichlichte Mimöschen, die sofort zur Psychotante laufen, wenn ihr Mal einen Klaps abbekommt. Wir hätten uns das nie getraut, dass wir unsere Eltern so verraten“…
  • Hallo Ihr beiden, ich bin eine Weile stark beschäftigt gewesen, deshalb meine späte Antwort.

    @domsi:
    Meine Mutter hat nach der gescheiterten Ehe mit meinem Vater das Weite gesucht und lebte seitdem eine gute Stunde Zugfahrt weit weg. Ich lebte bei meinem Vater und sie war also physisch nicht anwesend. Aus sorgerechtlichen Gründen habe ich sie bis zu meiner Volljährigkeit gezwungenermaßen alle 2 Wochen am Wocheende besucht und habe auch die Hälfte der Ferienzeit bei ihr verbracht. Mein Vater wusste nicht genau, wie sie mit mir umgegangen ist und hatte gehofft, dass so der Kontakt erhalten bleibt und sich das irgendwie mit der Zeit von selbst klärt.
    Viele Jahre später war ich dann erwachsen genug, um die Sache auf den Punkt zu bringen. Ich rief sie also an (denn besucht hatte ich sie sowieso nur noch auf Zuruf ihrerseits und gegen Ende auch nur noch sporadisch höchstens 2 mal im Jahr wenn ich gut drauf war) und hoffte eigentlich auf Einsicht ihrerseits, damit wir unser völlig zerstörtes Verhältnis reparieren können. Unverschämterweise hat sie dann mir die Schuld für dieses Ende gegeben und ich habe dann direkt den Kontakt mit der nachdrücklichen Aufforderung beendet, sie möge sich nie wieder melden und auch nicht auf andere Weise den Kontakt suchen. Daran hat sie bis heute gehalten und ihr wahnsinniger Stolz und ihr Glaube an ihre eigene Unfehlbarkeit wird das auch bis zu ihrem Tod sicherstellen. Mir ist das recht, die Frau war in den Situationen in denen ich sie dringenst gebraucht hätte nicht da und war mir auch sonst keine Hilft. Sie ist mir schon lange fremd und ändern wird sie sich nicht mehr. Ich habe sie längst mit anderen Menschen in meinem Umfeld ersetzt. :)


    @Fjara:

    Mit Deinem Vater argumentieren zu wollen ist verschwendete Zeit. Sein Weltbild wird genauso verhärtet sein wie das meiner Mutter. Die einzige Option die Du meiner Meinung nach hast ist Dein Ding zu machen und ihn vor vollendete Tatsachen zu stellen. Sicherlich hat er ein scheiss Leben gehabt, Du aber auch. Es ist keine Rechtfertigung und ob er Dir da zustimmt oder nicht hat für Dich keine Relevanz. Er rennt in seinem Hamsterrädchen und hat keinen Schimmer, was er gegen sein mieses Leben tun kann, Du aber schon, denn Du bist schon dabei es für Dich wo immer möglich anzupassen. Seine miese Art ist Schwäche und Unvermögen. Du darfst ihn dafür nicht auslachen, aber mit den Augen zu rollen und ihn ablaufen lassen kannst Du schon. ;)
    Ich denke Du solltest Deinem Vater mitteilen, dass Du anerkennst, dass er ein übels Leben hatte / hat, Du aber das nicht als Grund anerkennst, dass er Dich so schlecht behandelt hat. Darüber wird auch nicht diskutiert, denn es ist nur eine Ein-Weg-Information für ihn.

    Was das Wegbewegen von der Introvertierthat angeht:
    Mich haben früher die Extrovertierten auch völlig ausgelaugt, ich weiß genau wie das ist. Auf Partys gehe ich bis heute nicht, aber inzwischen bin ich ganz gerne unter Menschen und interagiere viel mit meinen Kollegen. Es sind keine tiefgehenden Gespräche, ja, aber es ist Kommunikation / Interaktion auf einer anderen Ebene. Man tauscht Erfahrungen und Gefühle aus, teilt seelische Belastungen untereinander und macht (unter Männern) so seine Spielchen um die Hackordnung zu klären. Speziell an letzterem habe viel Gefallen gefunden, besonders, wenn wir uns da (freunschaftlich) fiese Sprüche drücken und versuchen uns da gegenseitig zu übertrumpfen. Da bin ich in meiner Denkweise irgendwie im Vorteil und habe dadurch einen recht erhobenen Status. Es muss halt nett gemeint und auf Augenhöhe sein. Ansonsten bin ich immer hilfsbereit und für meine Kollegen da, wenn sie ein Problem haben oder etwas wissen wollen.
    Man muss sich dazu aber öffnen und das ist nicht leicht. Angefangen habe ich damit, den Leuten um mich herum irgendetwas für mich unerhebliches zu erzählen, damit die ihre Kommunikationslust mit mir befriedigen konnten. Ich habe dann oft innerlich über sie gelacht, mit was für einem dummen Scheiss die sich zufrieden geben und wie seicht diese Menschen doch sind. Nach einer Weile habe ich dann aber erkannt, dass es da einfach nicht um die Tiefe der Gespräche geht, sondern darum sich seelisch zu entlasten und Verbindungen aller Art zu haben und zu halten, die man nutzen kann und einem das Leben einfach ungemein erleichtern. Der Aufwand dazu ist eigentlich gar nicht so hoch, das geht nach einer Weile wie von selbst. Es ist gar nicht notwendig überall mit hinzugehen, die Kollegen müssen aber verstanden haben warum man nicht mitgeht, dann nehmen sie entsprechend Rücksicht.
    Seine Last auf andere teilweise abladen zu können ist Gold wert und ich selbst bin für die Anderen auch von nutzen, weil ich viel Last aufnehmen kann (weil's mich tatsächlich gar nicht so interessiert und das für mich keine Last ist). Das ist ziemlich arschig, ich weiss, aber es geht primär darum entlasten zu können.
    Ich habe in letzter Zeit sogar Lust auf Straßenfeste zu gehen 0_o.

    Ich wünsche Euch beiden eine schöne Woche.

  • edited Juni 2022
    @TBn

    "Daran hat sie bis heute gehalten und ihr wahnsinniger Stolz und ihr Glaube an ihre eigene Unfehlbarkeit wird das auch bis zu ihrem Tod sicherstellen. Mir ist das recht, die Frau war in den Situationen in denen ich sie dringenst gebraucht hätte nicht da und war mir auch sonst keine Hilft. Sie ist mir schon lange fremd und ändern wird sie sich nicht mehr. Ich habe sie längst mit anderen Menschen in meinem Umfeld ersetzt. :)"


    Wow das klingt geil. Ich nutze manchmal auch den Stolz und die ganzen Charaktereigenschaften, quasi als Absicherung oder Vollkaskoversicherung gegen Einwände. Quasi das Ego was im Weg stand (für jedweilige Vernunft) ist nun, Barriere (zwischen mir und Person). Super, finde ich gut. Der wahnsinnige Stolz und der Glaube an die Unfehlbarkeit hält auch meine Ex fern (und fest) , da hat eine einminütige Aussage und Ansage mit Wahrheitsgehalt gereicht um sie auf ewig fern zu halten (es sei denn sie reift und wird mündig), allerdings hatte ich damals nicht die Klarheit und Weisheit, einfach direkt die Grenze absolut zu ziehen ohne Ansage (in Bezug auf ihren Charakter und das was ich sehe, also den Stolz verletzend). Aber ja, ist ein Lernfeld. Bei Familie bin ich klar

    Die Hoffnung das sich jemand ändert hat da schon viel Schmerz bereitet aber, der Kern der Verachtung, den ich oft und lange gespürt habe, war wohl die Angst davor die letzte Konsequenz zu ziehen aus diesen Erkenntnissen. Auf Familie bezogen aber natürlich auf alles andere auch anwendbar. Hoffnung kann da echt tödlich sein und Klarheit der Realisation und Akzeptanz ist da echt Befreiung pur

    Danke fürs Teilen

    Gruß
  • @domsi

    Ich habe Schwierigkeiten den Inhalt Deiner Formulierungen präzise zu erkennen. Hast Du zufällig den Deinen Text mehrfach umformuliert? :D

    Zum Thema:
    Es ist richtig, dass diese Charaktereigenschaften meiner Mutter dafür sorgen soll, dass sie den Kontakt nicht sucht, SOLANGE sie diese unsägliche Sichtweise beibehält. Ich würde es vorziehen, dass das Verhältnis repariert wird, aber natürlich auf Augenhöhe und sie muss ihren (sehr erheblichen) Teil beitragen. Es ging mir auch nicht darum meine Mutter zu quälen, es war nur als Eigenschutz für mich gedacht, hat aber erfreulicherweise diesen angenehmen Nebeneffekt.
  • edited Juli 2022
    @TBn

    Nein aber ich habe oft 5 Gedanken gleichzeitig beziehungsweise sehe alle möglichen Facetten, da ist es schwer auf einen Tenor zu kommen.

    Ich spiele ab einem gewissen Punkt die Karten so, dass das, was Beziehung unmöglich oder sogar für mich schädlich macht, mir in die Karten spielt.

    Zum Beispiel ist meine Mutter unglaublich stur - sie ist nie an irgendetwas Schuld, ist aber immer der Mittelpunkt aller Guten Ereignisse. Sie hört nie zu, und wartet darauf zu reden. Es ist unglaublich schwierig mit ihr (eigentlich unmöglich). Sie würde nie auf die Idee kommen, verletzlich zu sein und auf jemanden zuzugehen. Man muss ihr schon entgegenkommen und sich vollkommen zurücknehmen um der Queen zu entsprechen.

    Ich schütze mich also vor ihr indem ich sage ich habe momentan viel Stress und kaum Zeit, und ich weiß genau, da sie sowieso kein Interesse an echter Beziehung hat, würde sie sowieso nie nachfragen wie es mir geht, warum ich stress habe, was halt so im normalen Leben eines normalen Menschen abgeht. Das ist der Punkt, wo das, was so schmerzhaft war, jetzt mein "Schutzschild" ist. Das kann ich jahrelang so machen. Da es ja immer um Sie gehen muss, und ich dafür ja keine Zeit habe, ist einfach Ruhe.

    Momentan brauche ich nicht mehr Eigenschutz als das, es ist aber wesentlich einfacher, und vielleicht mach ich das irgendwann, so wie du einfach eine Grenze zu ziehen und die zu kommunizieren. So spüre ich schon eine Erwartungshaltung, dass "ich mich doch melde" und ziemlich viel Unmut und Missgunst der sich aufbaut, was dadurch vermieden werden könnte, dass ich ihr einfach sage das ich keinen Kontakt will. Ich mein, ganz dämlich ist sie ja nicht; die weiß schon, das ich nicht will - auch wenn sie die Gründe nie bei sich selber suchen würde. Da wäre mir ein "kurzer Stich ins Herz" vielleicht lieber, und falls mal wieder eine Situation auftaucht, wo sich die Möglichkeit ergibt (vielleicht ruft sie zu Weihnachten ja an oder so), kommuniziere ich das.

    Ich möchte nicht herzlos sein, deshalb habe ich das bis jetzt auch noch nicht so gemacht, aber diese "unsägliche Sichtweise" hat sie seit meiner Geburt und die wird sie nie verändern und Beziehung macht da für mich keinen Sinn und selbst WENN sie dadurch (Ultimatum/Kontaktabbruch) von heute auf morgen das verändern würde wäre es denke ich für mich schon zu spät. Mir fällt es sehr schwer, wenn ich einmal Respekt verloren habe, den wieder (willkürlich oder zwanghaft) aufzubauen. Wenn sie es ändert, schön für sie, aber ich würde es ihr nicht glauben können.

    Meine Schwester redet seit 10 Jahren nicht mit ihr, und jetzt nur, um ihren Kindern die Oma nicht vorzuenthalten. Die ersten drei Jahre hat sie sie aber auch nicht sehen dürfen, um die Kinder vor Früheinwirkung zu schützen. Ohne die Kinder, würde sie vermutlich auch kaum Kontakt mit ihr halten. Ich habe das die 10 Jahre beobachtet; NIE würde meine Mutter darauf kommen, das sie an irgendetwas schuld ist. Ich habe ihr oft gesagt dass die Sturheit meiner Schwester von ihr kommt, als Selbstschutz: das kann sie sich unmöglich vorstellen, dass die Sturheit von ihr käme. Wie gesagt, alles Schlechte, kann gar nicht von ihr kommen.^^

  • Ich habe den Kontakt zu meinem narzisstischen Vater vor 4 Jahren abgebrochen. Seitdem geht es mir wesentlich besser. Ich konnte es ihm nie recht machen und als meine Mutter noch dement wurde, wurde es immer schlimmer mit den Forderungen. Obwohl ER vor 20 Jahren entschieden hatte, 530 km weiter weg zu ziehen, sollte das aus seiner Sicht kein Grund dafür sein, weshalb ich mich nicht öfter sehen lassen könnte, um mich um ihn und meine kranke Mutter zu kümmern. Er log und dramatisierte immer alles so sehr, um mir ein schlechtes Gewissen einzureden. Auch meine Bemühungen, ein Pflegeheim für ihn und meine Mutter zu finden wurden zunächst zwar angenommen, aber im entscheidenden Moment einfach abgewunken und Zeit und Geld, dass ich bis dahin investiert hatte, wurden nicht im mindesten gewürdigt. Er redete mich dann noch bei all seinen Bekannten und meiner Schwiegermutter schlecht, als ich ihm deutlich am Telefon sagte, dass es mir jetzt reicht.

    Meine Mutter ist vor drei Jahren verstorben und ich bekam einen Anruf von ihm. Er teilte mit, dass meine Mutter vor ihrem Ableben zwei Wochen im Krankenhaus lag. Ich machte ihm Vorwürfe, dass er es noch nicht mal für nötig befand, mir das mitzuteilen. So konnte ich mich nicht mal mehr von ihr verabschieden. Seine Reaktion darauf war, dass ich nicht zur Beerdigung kommen durfte und dass ich ja wieder an allem Schuld gewesen sei.

    Seit einigen Jahren bemüht er sich um einen Kontakt auf seine Art. Er ruft in halbjährlichen Abständen bei meiner Schwiegermutter an und klagt ihr SEIN Leid. Dann redet er mich wieder schlecht und lügt, dass sich die Balken biegen. Meine Schwiegermutter hat inzwischen gemerkt, dass er maßlos übertreibt und hat dann auch mal Widerwort gegeben. Ich hoffe, dass er irgendwann kapiert, dass meine Tür für ihn für immer geschlossen bleibt. Bis zu seinem letzten Atemzug.
  • edited Juli 2022
    "Seit einigen Jahren bemüht er sich um einen Kontakt auf seine Art. Er ruft in halbjährlichen Abständen bei meiner Schwiegermutter an und klagt ihr SEIN Leid. Dann redet er mich wieder schlecht und lügt, dass sich die Balken biegen."

    Da habe ich oft drüber lesen müssen um das "bemüht sich um einen Kontakt auf seine Art" zu verstehen, beziehungsweise zu sehen, dass das Verhalten als Kontaktsuche interpretiert wird von dir. Letztes Jahr hat mein Vater auch auf die meines Erachtens nach demütigenste Weise versucht Kontakt herzustellen, indem er (sehr vermutlich unbewusst) alle meine kindlichen Bedürfnisse die nie erfüllt worden waren in die Lächerlichkeit gezogen hat. Ich habe lange reflektieren müssen das dahinter, vermutlich, seine eigenen unerfüllten Bedürfnisse stehen (und eben der Schmerz dieser Ahnung). Das maßgeblich die Beziehung zu mir(und vermutlich auch das Gespür für die Anforderung, auf die Bedürfnisse SEINES Kindes einzugehen, also mich), eben genau das triggert (das was man selbst nicht bekommen hat) und zu diesem Verhalten führt. Gleichzeitig ist es bestimmt auch irrsinnig schwierig, sich einzugestehen, dass das, worunter man litt, man selbst dann eigentlich genauso gehandelt hat.

    Naja jedenfalls habe ich ein Buch von C.G. Jung angefangen zu lesen und da stand ganz am Anfang, auch als Zusammenfassung des 500 Seiten-Wälzers, ungefähr: "Was Risse hat, das brich nicht; und was brennt, das lösche nicht.", also weder Rache (das Brechen einer aufgerissenen Person, etwa die narzisstische Mutter "besiegen wollen"), noch Lösung ("Heilen wollen", "jemanden zur Vernunft/zum Verständnis bringen wollen") anzustreben. Ich wollte mir dann den Kontext des Zitats raussuchen und fand überraschenderweise das er aus der Bibel stammt und danach noch ein Satz kam das "Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit" herrschen soll.

    Das ursprüngliche Zitat kam aus "Psychologie und Alchemie" von C.G. Jung, wo`s basically darum geht wie man aus "Schlimmen" oder eben vermeintlichen Gegensätzen eine echte Lösung findet, also Alchemie betreibt - darüber hinaus geht. (Gegensätze wären da z.B. "der Leidende" auf der einen Seite und aber "der Täter, vor dem man sich schützen muss" auf der anderen - also durchaus Polaritäten, und nicht einfach nur bewusste Boswilligkeit). Der Inhalt des Buches ist Resultat lebenslanger Erfahrung mit seinen Patienten in der Psychotherapie.

    Und die "Alchemie" lag dann wohl in Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit, und diese nur bei sich selbst zu suchen, und im außen das gerissene (verwundete) und das brennende (leidende, getriebene) einfach sein zu lassen - das ist außerhalb. Und dem angefügt war dass "Erlösung einer Person" - etwa in Charakter und Verhalten - sowieso immer nur durch das eigene Leiden passieren kann, also die eigene persönliche Verantwortung. Es jemandem anderen aufzudrängen (wie etwa der Vater der mit seinem Leid kommt ständig) aber auch zum Vater zu rennen und es ihm aufzudrängen ("was hast du mir nicht angetan") und da Verständnis zu suchen, ist dann quasi vergebens, und Ziel/Alchemie des Ganzen, ist quasi sich auf seine Risse und sein Brennen besinnen, das ist dann wahrhaftig und gerecht.

    Das fand ich noch schön. Schelmisch könnte man hier natürlich der Kirche vorwerfen das sie Luschen sind und das ihre Predigt von Mitleid und Mitgefühl bullshit ist und wir das europäisch (einfach als Kultur) richtig schön reingetrichtert bekommen (haben) und man mit diesem Mitleids gedanken ziemlich viel 1. verantwortungslosigkeit rationalisieren kann und 2. Selbstmitleid anfacht.

    Die Gedanken hatte ich noch dazu



  • Hallo @Fjara, hallo an die Mitlesenden,

    zufällig fiel mir vor einigen Monaten in einem offenen Buchschrank ein Buch in die Hände, das ich gerade lese, weil es auch in meinem Leben an der Zeit ist, mich ganz von alten elterlichen Zugriffen auf mein Leben zu befreien. Ich habe schmerzhaft erkennen dürfen, wie sehr meine alten Glaubenssätze auch mein Berufsleben negativ überschattet haben.
    Ich habe gerade das Gefühl, Dir hier den Titel mitteilen zu wollen:
    "Vergiftete Kindheit. Elterliche Macht und ihre Folgen", Susan Forward.
    Susan Forward war Therapeutin und verarbeitete in ihrem Buch zahlreiche Lebensgeschichten aus unterschiedlichen Familiensettings. Zunächst beschrieb sie die Themen der Menschen, die zu ihr kamen, dies auch kommentiert. Im zweiten Teil des Buches geht es um einen neuen Anspruch an das Leben, hier kommen zahlreiche Übungen und Ansätze vor, die Verstrickungen hervorragend beleuchten und einen wirkungsreich aus kränkenden und krankmachenden Situationen herausführen können.
    Ich lese inzwischen eher wenige Fachbücher, studiere zu meinen Themen gerne das Internet, doch dieses Buch halte ich für essenziell und sehr wertvoll!

    Liebe Grüße!
  • edited Juli 2022
    Das interessante ist ja, sobald man sich abgrenzt und 100% seinen Weg geht und diesen Dingen kein Licht mehr schenkt, kristallisieren sie sich glasklar heraus als das was sie sind, und man bekommt erst dann den absolut klaren Blick und die Dinge stechen einen als das Offensichtlichste der Welt heraus. Weil keine Bedürfnisse, Schmerzen, sonst etwas die Wahrnehmung benebelt. Man sieht sie dann 100% für das was sie sind, da hat der Budhismus schon recht: Klarheit führt über die Losgelöstheit. Gebundenheit ist Schmerz und Nebel.
  • @seelenbilder

    Tausend Dank an Dich für den Buch-Tipp!
    Das hat bei mir zu einigen Aha-Effekten geführt!!!

    Dankeee :-)
  • @seelenbilder
    Danke für den Buchtipp, ist vorgemerkt :-) Der Titel klingt ja schon Mal sehr interessant und auch das was du über das Buch schreibst scheint etwas für mich zu sein, das hilfreich sein könnte. Ich bin zwar nicht so der Bücherwurm weil in meiner Freizeit die Prioritäten einfach wo anders liegen, habe aber manchmal in der Arbeit Zeit, online Bücher zu lesen wenn wiedermal tote Hose hier ist. Denn lesen ist etwas, das ich grundsätzlich gerne mache, hauptsächlich halt am PC.

    @domsi
    da hast du Recht, mir wurden einige Dinge auch erst dann so richtig klar, als ich Mal eine Weile auf Distanz ging. Es war meine Mutter, die sich regelmäßig meldete und fragte, ob es mir eh gut geht. Der Vater ließ mir zwar immer nette Grüße ausrichten, aber ich hatte das Gefühl, dass ihm der Kontakt garnicht so wichtig ist. Ich hab das im Gespräch mit ihr auch angesprochen wie ich mich fühle, aber sie meinte nur „ja der Papa kann das halt nicht so zeigen dass er dich mag und er hat halt den Kopf immer mit vielen anderen Dingen voll“. Faule Ausrede – ich hab auch dauernd den Kopf mit tausend Sachen voll, und trotz dessen dass ich nicht so die sozialste Person bin, schaffe ich es, den Menschen die mir wichtig sind, zu zeigen, dass sie mir wichtig sind. Von den Eltern wird das aber dann wieder abgetan mit „ja du warst halt schon immer so ein Sensibelchen, du machst dir viel zu viele Gedanken über solche Sachen.“
  • @Fjara,
    das Buch ist toll lesbar, weil in so viele Kapitel unterteilt. Man verliert also nie den Faden. Ob es auch online gelesen werden kann, weiß ich nicht.
    Das Buch lehrt, dass Lieblosigkeiten, Abfälligkeiten, körperliche Gewalt usw. NICHTS, aber auch GAR NICHTS mit Liebe zu tun haben. Es zeigt auch auf, wie lange wir bereit sind, unsere Quälgeister auch noch zu verteidigen ... Auch diese Abhängigkeit von Anerkennung wird untersucht.
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