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Ständig "zu ruhig "

edited September 2022 in Zwischenmenschliches
Hallo,
Ich habe die Hoffnung, dass es hier Leute gibt, die mir mit ihren Erfahrungen helfen können.
Ich war schon immer ein ruhiger Mensch. Leider kommt das in der Gesellschaft nicht gut an. Ich bekomme ständig zu hören, dass ich mehr aus mir herauskommen muss und nicht so still sein soll. Bis zu einem gewissen Grad möchte ich auch mehr aus mir herauskommen. Das wäre schon hilfreich für mich, besonders in Bezug auf Freundschaften knüpfen und meinen Beruf (mache die Ausbildung zur Erzieherin).

Ich möchte gerne mit Kindern arbeiten. Ich finde es schade, dass es Menschen gibt, die mir sagen, ich wäre dafür nicht geeignet. Der Grund ist meine ruhige Art. Ich kann nichts dafür, dass ich ruhig bin. Trotzdem habe ich den Berufswunsch. Mir ist schon bewusst, dass man in der Lage sein muss, Kontakt aufzunehmen. Deshalb möchte ich mich da auch weiter entwickeln (wie bereits erwähnt). Trotzdem ist es schade, dass meine ruhige Art oft schon als "Ausschlusskriterium" gesehen wird. Ich habe mal im Internet eine Liste entdeckt, in der 92 positive Eigenschaften von introvertierten Menschen aufgelistet werden. Ich erkenne mich in den meisten wieder. Auch erkenne ich mich in den schlechten Eigenschaften wieder. Jede Eigenschaft hat gute und schlechte Seiten. Aber es frustriert mich, dass bei extrovertierten Menschen nie kritisiert wird, sie seien zu "laut ". (Nicht falsch verstehen: Ich möchte,dass niemand für seine Persönlichkeit kritisiert wird!). Trotzdem verstehe ich nicht, wieso introvertiert sein so schlimm ist.

Ich selbst habe kein Problem damit. Ich zweifel erst an mir, seitdem ich immer wieder von verschiedenen Menschen darauf angesprochen werde. Egal ob privat oder in der Schule. Ich werde wohl oft unterschätzt. Eine Lehrerin von mir hat sogar zugegeben, dass sie mich am Anfang unterschätzt hätte. Später hat sie dann wohl erkannt, dass ich nicht "nur" still bin. Viele Lehrer haben bisher meine mündliche Mitarbeit kritisiert.

In bisherigen Praktika war meine stille Art auch oft ein Thema. Nur eine Einrichtung hat darin auch etwas Positives gesehen. Aber es gab auch den Fall, dass es hieß, ich würde wohl nicht in den Bereich passen.

Mir wurde sogar schon einmal geraten, eine Therapie zu machen, da ich die Ursachen meiner stillen Art nicht kenne. Ich finde nicht, dass man eine Therapie machen muss, weil man ruhig ist. Ich bin nicht krank.

Insgesamt frustriert es mich, dass stille Menschen in der Gesellschaft überwiegend negativ gesehen werden. Eine Freundin von mir (macht mit mir die Ausbildung) hat das selbe Problem. Scheinbar wirken stille Menschen oft zerbrechlich und zu sensibel.

Wie kann es mir gelingen, dass ich das nicht zu nah an mich rankommen lasse? Ich fühle mich oft in der Gesellschaft nicht akzeptiert. Ich kritisiere auch niemanden für seine Persönlichkeit.

Über Tipps wäre ich dankbar.

Kommentare

  • Hallo, happy_flower,

    kommt drauf an, wie gut Du selber mit Deinem Wesenszug klarkommst. Wenn Andere damit Problem[e] haben, fehlt es denen wohl an der nötigen Ruhe.

    Möchtest Du von Dir selbst aus, für Dich, "aus Dir herauskommen", oder wäre dies eher ein Akt für Andere, damit die Ruhe geben? Sic! Ruhe, die jene gar nicht haben, wie im Eingangsabsatz bereits geneckt.

    Von wegen "Therapie machen". Ein Qualitätsmerkmal "wegtherapieren" lassen, um "tauglicher" zu werden, für eine ringsum untaugliche Gesellschaft. Man braucht sich nur die Lage im Land anzusehen. Und darüber hinaus geblickt ist es auch nicht erfreulicher; um es positiv ausgedrückt zu haben.
  • Hallo, happy_flower,

    ja, wir Ruhigen haben es schon schwer ….. Mir ging es auch oft so im Leben. Aber ich muss dazu sagen, dass ich auch schon viel positives hören durfte ins Bezug auf meine Ruhe, die ich ausstrahle. Und das empfinde ich dann wieder als Bestätigung.

    Zur Zeit arbeite ich mit Leuten zusammen, die sehr laut sind. Ständig muss geredet werden, dazu kommt die Lautstärke hinzu. Ich bin ab Donnerstag irgendwie durch mit meiner Kraft und benötige das Wochenende dringend.

    Warum viele immer auf unsere Ruhe so herumpochen, kann ich auch nicht verstehen. Wahrscheinlich, weil sie uns nicht richtig „greifen“ können. Wir sind denen zu undurchsichtig, sie wissen nicht mit uns umzugehen. Das kann ich sogar gut verstehen.

    Nur die Lauten werden gehört, die Leisen gerne übersehen. Und wer möchte schon gerne übersehen werden? Dabei stecken in denen ganz andere Kräfte. Es gibt nicht umsonst den Spruch: In der Ruhe liegt die Kraft.

    Mittlerweile ärgert mich das alles nicht mehr, ich bin froh über meine Ruhe. Ich bin am liebsten mit Leuten zusammen, die auch in die ruhige Richtung tendieren. Da fühle ich mich wohler. Ich ertrage auch keine Menschen, die permanent am Reden sind und laute Stimmen haben.

    Weißt Du, ein Problem ist ja noch, dass wir uns als falsch empfinden. Wir machen uns so viele Gedanken über alles und auch dieses „Du bist zu ruhig“ kann uns den Schlaf rauben. Es gibt soviel Bücher über die „Ruhigen“, hast Du schon mal ein Buch darüber gefunden, welches einer schrieb: Hilfe, ich bin zu laut und forsch, wie kann ich das ändern? So ein Buch wirst Du nicht finden, denn es würde gar keiner auf die Idee kommen, sich damit zu befassen.

    Du schreibst selbst, dass Du kein Problem mit Deiner Art hast. Und erst die Stimmen der anderen machen hier ein Problem draus. Sie haben Dir sozusagen den Floh ins Ohr gesetzt, dass dieses nicht okay ist. Und das ist das, was mir in meinem Leben auch immer schwer zugetan hat. Die Stimmen der anderen….

    Wenn Dich das Thema so sehr beschäftigt, dann empfehle ich Dir, ein paar Bücher dazu zu lesen. Es gibt einen Haufen toller Bücher für uns Introvertierte, die haben mir sehr geholfen.

    Und noch eins, was mir immer klarer im Laufe des Lebens wurde: Das, was die anderen zu uns sagen oder das, was sie von sich geben, ist nicht immer richtig und das Maß aller Dinge.

    Ich glaube, hier bei uns hast Du einen guten Platz gefunden, Deinen Gedanken auch Gehör und Verständnis zu schaffen.

    Liebe Grüße

  • Danke für eure Antworten. Tatsächlich bin ich auch überwiegend mit Menschen befreundet, die ruhig sind. Ich denke, man zieht sich auch sozusagen gegenseitig an. Allein schon an der Ausstrahlung merke ich, wie jemand ist und meistens passen wir dann auch zusammen.
    Bücher habe ich tatsächlich auch (komme nur im Moment nicht dazu, sie zu lesen). Aber das werde ich auf jeden Fall auch tun.
    Sich bewusst zu machen, dass die Anderen nicht immer Recht haben und das nicht das Maß der Dinge ist, ist nicht immer einfach. Aber ich nehme mir auf jeden Fall vor, das zu berücksichtigen.
  • Zitat:
    "[...] Nur die Lauten werden gehört, die Leisen gerne übersehen. [...]"

    Unter dem Motto:
    WER SCHREIT, HAT RECHT!
  • Hallo happy_flower,

    da ich seit vielen Jahren in dem Bereich arbeite, in welchem Du arbeiten möchtest, kann ich Dir nur mitgeben, dass Kinder es durchaus schätzen, wenn ihnen ruhige und achtsame Aufmerksamkeit geschenkt wird. Denn genau diese vermissen sie sehr oft - bei ihren Eltern, Lehrern und auch sonstigen Pädagogen.
    Grundsätzlich ist es so.

    Es ist allerdings zunehmend der Fall, dass Kinder Verhaltensauffälligkeiten aufweisen. Da braucht es dann auch oft ganz klare Ansagen. Und so schreibe ich aus meiner persönlichen Erfahrung, dass in diesem Zusammenhang ruhige Menschen oft sehr unterschätzt werden bzw. sie von vornherein als "nicht durchsetzungsfähig" gelten.
    Häufig habe ich den schrecklichen Verdacht, dass es vielfach weniger um Verständnis für die Kinder geht, sondern darum, ihnen das mitzugeben, was aus unserer Erwachsenensicht das einzig Richtige ist.
    Ich bin aus diesem und vielen anderen Gründen zur Überzeugung gelangt, dass mir dieser Weg nicht mehr gefällt. Bin überzeugt, dass das Bild vom Kind - je nach Einrichtung, je nach Führung - auch unterschiedlich gelebt wird.
    Da mag die eine oder andere Institution dabei sein, die vorbildlich arbeitet. Definitiv habe ich es leider selbst oft erlebt, dass Schnupperkandidaten als "zu ruhig" bewertet wurden und deshalb einen sehr schweren Start unter den Kollegen hatten. Derzeit herrscht Flaute in der pädagogischen Arbeitswelt, was willige Mitarbeiter betrifft, da bekommen dann auch die (angeblich!) "zu Ruhigen" eine Chance, doch es ist für diese oft nicht leicht, in ein Team hineinzuwachsen. Ausgrenzung ist nicht selten der Fall!

    Ich persönlich bin recht im Zweifel, ob eine Ausbildung zum "Erzieher" heute noch zeitgemäß ist. Ich meine, es müsste endlich durchdringen, dass wir beruflich gesehen Pädagogen brauchen und dass Eltern wieder die Erziehungsrolle MIT Vorbildfunktion übernehmen müssen. Da hapert es auch gewaltig. Viele Eltern wollen nicht mehr Eltern sein, das erlebe ich sehr oft.

    Mir sind ruhige, überlegte, zurückhaltende Kollegen äußerst willkommen, ich weiß ihre Vorzüge zu schätzen. Laute, voreilige und nach vorne preschende Kollegen produzieren immer wieder Situationen, die haarsträubend sind ... Dennoch: Die Mehrheit setzt auf laute Menschen, das gilt auch für unsere Berufsbranche. Da will ich Dir auch nix vormachen.

    Alles Liebe, Seelenbilder
  • Ich beobachte leider auch, dass ruhigen Menschen von so manchem Zeitgenossen abgesprochen wird, eine Führungsposition ausfüllen zu können.

    Warum aber soll eine Gruppe anleiten oftmals damit gleichgesetzt sein, eine laute Stimme und ein kraftvolles Auftreten zu haben? Womöglich noch groß an Körperstatur zu sein?

    Das ist so ein veraltetes Weltbild.
    Da sollten sie beispielsweise mal meine zackigen e-mails kennenlernen ;)
  • Liebe enjoythesilence,
    es ist nicht nur ein seltsames Weltbild, das in Zusammenhang mit Führungskräften entwickelt wurde, sondern auch ein falsches. Gerade eine Führungskraft sollte, bevor sie den Mund öffnet, recht gut überlegt haben, wie was bei Mitarbeiter*innen ankommt. Mit saloppen Bemerkungen kann die Stimmung schnell kippen. Mit einer lauten Art verschafft man sich nur vordergründig scheinbaren Respekt, es gibt durchaus Menschen, die zu so einer Führungsperson nur wenig Vertrauen aufbauen.
    Ich habe ein Buch gelesen, in dem eine tolle Persönlichkeit skizziert wird, ist natürlich eine Art Roman, doch das Buch entstand aus Interviews mit vielen Führungskräften, es ist also die Essenz daraus, wie diese Persönlichkeiten führen.
    "The Big Five for Life", John Strelecky
    Liebe Grüße, Seelenbilder
  • @seelenbilder
    „Mit einer lauten Art verschafft man sich nur vordergründig scheinbaren Respekt, es gibt durchaus Menschen, die zu so einer Führungsperson nur wenig Vertrauen aufbauen.“

    Ja und da bin ich eine Person davon. Ich sollte meiner Führungskraft vertrauen, aber ich kann es nicht. Nicht, weil mir grundsätzlich Vertrauen fehlt, jedoch gegenüber dieser Person.

    Interessanterweise mache ich aber auch gerade die schöne Erfahrung, wie toll es sein kann, zu vertrauen, dass mein Gegenüber (ein anderes Du als meine Führungskraft) das Beste für mich will und aus guter Absicht handelt. Da ist es sogar einmal möglich, einen Scherz auf meine Kosten auszuhalten. Finde ich faszinierend. Ein Mensch, den ich mag - von dem lasse ich mir viel mehr sagen, ohne direkt Widerworte zu geben. Da geh ich mal drüber nachdenken :)
  • In letzter Zeit höre ich in einer Werbung immer folgenden Satz: „Die lautesten Stimmen haben oft nicht die leiseste Ahnung.“ Was für ein schöner Satz.

    Aber jetzt ein anderes Thema: Heute war ich mal wieder mega-genervt. Ich wurde mal wieder drauf angesprochen, dass ich in einer bestimmten Situation sehr ruhig gewesen bin. Die besagte Dame hatte da ein riesiges Problem in dieser Situation und hat es auf sich bezogen. Daraufhin ist sie zu meiner direkten Kollegin gegangen und hat das Thema bei dieser Person angesprochen.

    Oh man, es geht mir so auf den Wecker, diese Menschen, die einfach meinen, mich immerzu kommentieren zu müssen. Ich verspüre da leider nicht mal mehr das Bedürfnis, diesen Personen mitzuteilen, dass ich bin, wie ich bin. Die müssen doch echt ein Problem mit uns Intros haben. Oder haben die keine Ahnung, dass es auch Menschen gibt, die nicht dauernd plappern müssen? Die nicht jede ihrer Handlungen mit Worten untermalen müssen?

    Daher mal eine Frage: Erklärt Ihr diesen Personen Euer Wesen? Für mich sieht das immer wie eine Rechtfertigung aus, ich habe da echt keinen Bock mehr drauf.
  • "Erklärt Ihr diesen Personen Euer Wesen?"

    Ganz klar nein!
    Ich arbeite in einem kleinen Kreativ-Büro mit 5 anderen Personen, die wissen wie ich ticke und zu 2 von denen ist mittlerweile auch eine Freundschaft entstanden. Denen muss ich nicht erzählen, dass ich eher ruhig bin, nicht so viel erzähle oder warum ich grad Kopfhörer in den Ohren stecken habe. Gibt aber auch Momente in denen ich hochgradigen Nonsens mit meinem Kollegen erzähle und die Damen um uns herum nur noch mit den Augen rollen. :-)

    Um uns herum gibt es zwei Großraumbüros, von denen sind wir eher autark und haben zu den Kollegen/innen keinen großen Kontakt. Denen erkläre ich mein Wesen nicht. Man sollte Menschen einfach so aktzeptieren wie sie sind. Da kann man sich dumme Sprüche einfach sparen.

    Kommt dennoch mal ein Spruch... Kopf schütteln und gehen. Erst dann fangen die meisten an zu denken.
  • Hallo Jano,
    danke für Deine Antwort.
    Ich sehe es ja genauso, jeder sollte so akzeptiert werden wie er ist. Und ich will einfach nicht mehr mit Leuten über mein Wesen reden, dass ich so bin wie ich bin, nur damit es denen besser geht.

    Ich kann ja auch so lustig und ausgelassen sein, das passiert aber nur mit Leuten, mit denen ich mich wohlfühle.

    Leider ist es bei uns auf Arbeit so, dass alles bewertet wird. Wenn man nicht grinsend morgens ins Büro kommt, wird einem schlechte Laune unterstellt. Mein Gesichtsausdruck wird begutachtet und angesprochen.

    Manchmal ziehe ich mich komplett aus diesem Desaster zurück, das tut mir aber selber nicht gut.
  • Hallo Nethi, bin momentan stille (hahaa) Mitleserin, aber wollte dir kurz mitteilen, dass ich das soooo gut verstehen kann. Bin auch oft verletzt bis genervt von dem ständigen, ungebetenen Audiokommentar mancher Mitmenschen und auf Arbeit nervt es besonders.. Kopf hoch, es gibt auch noch andere Menschen!
  • Hallo Louise, oh man, danke für Deine Zeilen, die haben mir grad sehr gut getan. Dass es einfach Mitmenschen gibt, die Verständnis für mein Empfinden haben.
    Viele machen sich auch einfach nicht die Mühe, drüber nachzudenken, was sie mit ihrem Mitteilungsbedürfnis manchmal anrichten.
    Es ist schön, dass es auch andere Menschen gibt, aber warum können mir diese nicht auch mal in meiner näheren Umgebung über den Weg laufen?
  • „Die lautesten Stimmen haben oft nicht die leiseste Ahnung.“

    Wunderbar! @Nethi
    Dieser Satz der Erkenntnis hat mir gerade den kompletten Samstag versüßt!

    Um deine Frage "Erklärt Ihr diesen Personen Euer Wesen?"
    zu beantworten:

    nein, da erkläre ich mich nicht. Hab ich noch nie - weil mir früher mein Wesen zwar offensichtlich war, aber ich hatte keinen Namen dafür und als ich einen Namen dafür hatte, liebte ich diese Wesensart umso mehr. Ich sehe keinen Grund, mich zu erklären, wie ich bin.

    Es ist jetzt eine Weile her, da bekam ich die Feststellung entgegengeschleudert: "du bist auch so 'ne Ruhige, ne?!"

    Was soll ich darauf sagen?

    Lern mich kennen, dann sagst du das nicht mehr? ;)

    Gestern die selbe Person:
    "Dir geht es momentan auch richtig gut!"
    Danke, ja, ich lerne gerade, mich von Leuten wie du es bist zu distanzieren :D

    Das habe ich nicht gesagt.
    Sondern die Rückmeldung einmal als Bestätigung für mein Körper und Seelengefühl genommen und mich gefragt, was sich geändert hat, dass es mir seit ein paar Wochen tatsächlich besser geht.

    Ich glaube, der Herbst und seine wundervolle Farbenpracht ist daran Schuld :)

    Aber das Thema ist zu ruhig - oder nicht.
    Wie kann es ein zu ruhig überhaupt geben?
  • Frage von @enjoythesilence: Wie kann es ein zu ruhig überhaupt geben?

    Gute Frage... :-)

    Auf der einen Seite "ruhig", auf der anderen Seite "laut" - so die Polarität.

    Und dazwischen jede Menge Schattierungen :-)

    Alles eine Frage der Perspektive und der Vorlieben/Bedürfnisse?
    Vielleicht :-)

    Mit zwinkerndem Auge gesagt: für mich kann es ein "zu ruhig" nicht geben. Ich bevorzuge es lieber ruhig als laut!
    Und falls mir jemand entgegnet, ich sei zu ruhig - na denn ist das so ;-)

    Im beruflichen Kontext kann ich je nach Zusammenhang und Setting ggf. ein bisschen modifizieren.
    Aber im privaten Bereich ist das für mich ein absolutes no-go! :-)
  • edited Oktober 2022
    Zitat:
    "[...] Aber das Thema ist zu ruhig - oder nicht.
    Wie kann es ein zu ruhig überhaupt geben?"


    Für Viele ist schweigen kaum aushaltbar. Darum wird gerne versucht, es zu durchbrechen.
    Das Laute als "natürlicher Zustand". Nicht etwa, weil es natürlich wäre, sondern weil so aufgewachsen wurde, sodass Beibehalt dessen (unbewusst) als weiterzuvermittelndes Ziel gelebt wird. Wie so oft im Leben, wird nicht hinterfragt, was eingespielt ist, von der Mehrheit so praktiziert wird. Die verhängnisvolle Mehrheit. So ist es auch möglich, dass Kriege salonfähig werden. Und Mörder nicht als Mörder gesehen werden, sondern als Retter. Denen, die lautstark künden, dass "ihr" das und sie brauchet, an den Lippen gehangen wird. Wie erwähnt als Retter. Und dementsprechend sieht es nun aus. Mit der Perspektive, für / gegen jene (Manövrier-)"Masse".
  • edited Oktober 2022
    ich denke, das es den Menschen irgendwann mal langweilig wird auf das "zu ruhig" zu verharren, denn irgendwann, besonders auf Arbeit, kommen sicher neue interessantere Themen. Schweigen ist für viele nicht leicht. Mal in sich gehen, mit sich beschäftigen, können die wenigsten. Immer jemanden an der Seite brauchen. Ich selbst brauche die Ruhe.

    Ich denke auch, so wie wind und wellen schrieb, das es eben so ist das man ruhig ist. Man sollte sich so annehmen. Ich denke, oder es kommt mir bei einer Person nur so vor, das es ruhige Menschen gibt, die sich selbst nicht als ruhig ansehen können. Ruhige werden ja nicht so beachtet, sie werden negativ gesehen, also wird versucht mit den extrovertierten mitzuhalten. Geht das denn? Ist das falsche Hoffnung? Ist das übertriebene Selbsteinschätzung? Mir kommt es nie ehrlich vor wenn Menschen plötzlich zu Marionetten von anderen werden. Ich bin lieber schweigsam, zurückhaltend, als wenn ich mich verstellen und was beweisen müsste, bis es irgendwann zu einem psychischen Zusammenbruch kommt, nur weil ich nicht so sein darf, wie ich bin. Gibt's das, können introvertierte sich so anpassen weil es der andere möchte?
  • Auch ich kann mich eher als ruhig akzeptieren. Was mich jedoch immer wieder beunruhigt ist wenn eine nicht aufgelöste Spannung zu einem anderen stilleren Menschen nicht abgebaut werden kann.
    Besonders früher habe ich versucht den wiederholten Kontakt zu anderen ruhigen Menschen aufzubauen wenn ich den Eindruck hatte dass ich für denjenigen Verständnis und Sympathie habe. Gerade weil ich weiß wie isoliert man sich fühlen kann schien es mir wichtig dieses Signal von Verständnis und Verbundenheit aufrecht zu erhalten. Heute weiß ich das einige der Tipps die mir helfen nicht unbedingt auch für den Anderen hilfreich sind. Daneben hat auch reines Zuhören können schon etwas entlastendes. Vermutlich wäre auch ich entspannter wenn ich erkennen könnte dass auch andere ruhige Menschen diese lockere Verbundenheit erkennen können.
    Sicher kann es in Deinem Erfahrungsbereich ganz andere Gründe geben.
  • edited November 2022
    Was mich vor allem stört, ist, dass es im Schulsystem als negativ angesehen wird, ruhig zu sein. Ich selbst bin und war nie ruhig im Unterricht, eher vorlaut. Aber mein Sohn ist sehr ruhig und auch introvertiert. Und die Grundschullehrerin meinte, er stehe in den schriftlichen Fächern nahezu überall 1, mündlich würde er kaum etwas sagen. Ja und? Man sieht doch an den schriftlichen Noten, dass er es offensichtlich verstanden hat. Ja, aber auf dem Gymnasium hätte er es mit dieser Stille dann schwer. Da läuft in meinen Augen wirklich etwas schief. Ich hatte tatsächlich meist früher sehr gute Noten allein durch das Mündliche, schriftlich war ich eher nicht so gut und ich hab auch oft einfach irgend einen Scheiß gesagt, damit ich überhaupt was gesagt habe. Und sowas wird dann gut bewertet obwohl es ja qualitativ schlechter ist, Hauptsache man ist nicht still. Warum die Kinder nicht nach ihren Talenten und Fähigkeiten fördern anstatt alle in eine Form pressen zu wollen? Na ja, könnte man stundenlang drüber diskutieren ...
  • @Kassandra,
    das Schulsystem fährt gegen die Wand, weil zu wenige Ideen gelebt werden, das einzelne Wesen, jedes einzelne Kind, abzuholen und zu be*geist*ern.
    Wie das ginge, dazu gibt es tolle Ideen, in manchen Ländern wird manches auch umgesetzt, die Glücksschule (Schweiz), die Dokumentation "Alphabet" zeigt auch vieles auf. Sehenswert, für Eltern, für Lehrer, für Pädagogen. Ein Pflichtfilm!
    Es wird LEIDER auf Verwirtschaftung und PISA Wert gelegt - eine Katastrophe. Von Staats wegen geplante Gleichmacherei unter eigentlich Hochbegabten - dabei brauchen wir Experten, ja, ich sehe es wie Du - es müssen Talente gefördert werden!
    Nicht mit diesem System ...
  • @Kassandra: Ich wurde damals im Gymnasium in einzelnen Fächern um einen Notengrad schlechter bewertet, nur weil meine "mündliche Mitarbeit" so gut wie nicht vorhanden war. D.h. wenn ich z.B. in Geschichte schriftlich auf dem Niveau eines 2ers gestanden bin, hab ich halt automatisch einen 3er ins Zeugnis bekommen. Damals hab ich das noch gar nicht so realisiert, wie dämlich das eigentlich ist, aber heute im Nachhinein finde ich das echt unfair, dass man im Grunde genommen u.a. nach Persönlichkeit benotet wird.
  • Ja, ich sehe es wie Ihr beiden, in vielen anderen Ländern ist man da schon sehr viel weiter als bei uns. Ich könnte mir da den Mund fusselig reden bei den Lehrern aber es bringt ja nichts, die sind ja auch an ihre Vorgaben gebunden.
  • Soweit mir bekannt, ist das Schulsystem leider weltweit kritisch zu hinterfragen -
    zu viele Länder, in denen Kindern der Zugang zu Bildung weitgehend verwehrt bleibt - z.B. in Ländern in Afrika, Asien; in islamischen Ländern werden gerade Mädchen ferngehalten vom Unterricht, usw. Die Situation in vielen Ländern in Asien ist ebenso dramatisch - die Schulsysteme produzieren viele depressive Kinder (etwa in Japan) oder ein Bildungszugang ist gerade in ländlichen Gebieten gar nicht gegeben.

    In D und Ö ticken die Uhren ganz anders - es gäbe finanzielle Mittel, um damit was Kluges anzusteuern und sich an ganzheitlichen Ideen zu orientieren - allein die Tatsache, dass Bildungspolitik sehr stark ideologisiert wird, ist allerdings hemmend.
  • Die Menschheit weiß, wie man auf den Mond fliegen kann, aber bekommt die elementarsten Dinge nicht gebacken, wie die Vorbereitung aufs Leben für unsere Kinder.

    Ich verstehe das einfach nicht und finde es ziemlich frustrierend, dass sich seit meiner eigenen Schulzeit so wenig verbessert hat. Was nutzt einem da eine computerunterstütze Tafel, wenn die mündliche Note immer noch solche Wichtigkeit besitzt und die Schüler entweder für ihre Persönlichkeit bestraft oder darin fördert?

    @seelenbilder spricht noch einen weit schwerwiegenderen Aspekt an: die Bildungsmöglichkeiten grade auch für Mädchen in manchen Ländern.

    Traurig macht mich das.

    Was könnte man tun?
  • Dein Eingangsgedanke, Stw. Mond, gefällt mir sehr gut, liebe @enjoythesilence. Er beschreibt die Situation zutreffend.

    Ich glaube, allgemein geht es uns in vielen Themen in Mitteleuropa offensichtlich noch immer so gut, - also, wenn ich die Masse betrachte, - dass sich wohl die meisten gemütlich zurücklehnen, weil es aus ihrer Sicht nichts zu tun gibt.
    Dass das Schulsystem ist, wie es ist, hat auch darin seinen Grund, dass Eltern von ihren Rechten viel zu wenig Gebrauch machen. Das liegt an unterschiedlichen Gründen -
    in Brennpunktschulen sind es viele, die Deutsch weder verstehen noch sprechen, also ist es an den Lehrer*innen, ihre Methoden unwidersprochen auf die Schüler*innen einwirken zu lassen. Dies habe ich über viele Jahre mit großem Erstaunen selbst so beobachtet.
    Weitere Gründe sind Überlastungssituationen im eigenen Leben der Eltern, und es gibt auch Eltern, die gar nicht wissen (wollen), was ihr Kind lernt: Das erkennt man daran, wenn Eltern Elternhefte nicht unterschreiben, wenn die Jause fehlt, wenn das Geld für Veranstaltungen fehlt, etc. Ich habe oft gestaunt, wie lange es mitunter gedauert hat, bis hier seitens der Lehrkräfte der Kontakt mit Eltern aufgenommen wurde;
    ebenso, wenn eindeutig war, dass ein Kind den Lernstoff nicht aufnehmen kann.

    Bei Eltern, die sich für ihr Kind interessieren, habe ich mitunter Nachfolgendes beobachtet: Wenn die Lehrkräfte Alarm von sich gaben, weil ein Kind mit Lerninhalten eindeutig überfordert war, gab es mitunter von den Eltern Widerstand, wenn kompetent nach Möglichkeiten Ausschau gehalten wurde, das Kind leistungsgerecht und fördernd zu unterrichten. Besonders leid hat mir das in solchen Situationen getan, wenn ein Kind mit dem herkömmlichen Stoff nicht nur leistungstechnisch unter Druck geriet, sondern vor allem auch psychisch.

    Mein eigener Weg hat mir gezeigt, dass meine Leistungen nicht nur mit einem guten menschlichen Miteinander mit Lehrer*innen einhergingen, sondern natürlich auch mit meinen Interessen und geistigen Möglichkeiten. Ich war einerseits (sehr) erfolgreich und andererseits überhaupt nicht erfolgreich - gemäß einerseits meinen Anlagen und Neigungen - und andererseits auch Abneigungen.
    Man kann aus einem sprachbegabten Kind sozusagen keinen Einstein herauskitzeln, wenn es diese Anlagen nicht mitbringt. Man kann das gleiche Kind allerdings darin bekräftigen, seine sprachlichen Neigungen zu zeigen und auszubauen. In meinem Falle ist dies einigen Lehrkräften gut gelungen und dafür bin ich heute noch dankbar.
    In Mathe und Physik bin ich im Gymnasium immer gerade mal durchgekommen, aber es war mir immer klar, dass ich diese Bereiche nicht weiter in mein Leben einbauen würde.
    Die Lust am Schreiben ist mir geblieben - diese hat sich auch schon im Volksschulalter gezeigt.
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